Erste Hilfe
Leben retten - aber wie? Allgäuer Rettungsdienste rufen zur Auffrischung auf

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Erste Hilfe am Unfallort kann Leben retten. Jeder, der in Deutschland den Führerschein macht, muss daher einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben. Aber nach Jahren oder Jahrzehnten, die man den Führerschein hat, verblasst das Wissen aus dem Kurs. 

Dazu kommt die Angst, etwas falsch zu machen. Wer von uns hat schon Routine als Ersthelfer, wenn er nicht gerade Rettungsassistent ist? Sebastian Horny von den Johannitern appelliert, sich durch Auffrischungskurse seiner Angst zu stellen. Er arbeitet hauptamtlich als Rettungsassistent bei der Johanniter Unfallhilfe im Regionalverband Allgäu und ist ehrenamtlich als Fachausbilder in diesem Bereich tätig. Das Wichtigste sei, überhaupt zu helfen und den Verletzten nicht allein zu lassen, so der 36-Jährige.

In seinem Dienst erlebt er immer wieder, dass er an eine Unfallstelle kommt und die Menschen um den Patienten herum nur gaffen und den Rettungsdienst bei der Arbeit behindern. Solche Situationen kommen in den letzten Jahren immer häufiger vor, sagt Horny. Schaulustige versammeln sich am Unfallort und filmen mit ihren Handys ohne den Ernst der Lage zu begreifen. "Das macht mich manchmal richtig wütend, wenn ich so etwas erlebe", erzählt er. Laut Strafgesetzbuch ist die unterlassene Hilfeleistung und das Behindern des Rettungsdiensts nach Paragraph 323 c strafbar. Bei einer Verurteilung droht eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. 

"Eigentlich kann man die Situation nicht mehr verschlimmern. Die Hauptsache ist, einen Notruf abzusetzen, die Unfallstelle abzusichern und sich selbst nicht in Gefahr zu bringen", appelliert Sebastian Horny. Wer dann noch den Verletzten anspricht und schaut, was ihm fehlt, hat einen großen Teil zur Ersten Hilfe beigetragen. 

Sebastian Horny hat in seiner Laufbahn als Rettungsassistent noch nie erlebt, dass Menschen, die Hilfe leisten, in dieser Situation einen Fehler gemacht hätten: "Der einzige Fehler, den man machen kann, ist keine Hilfe zu leisten". Selbst eine gebrochene Rippe durch die Herz-Lungen-Wiederbelebung sei besser, als den Verletzten sich selbst zu überlassen.

Den Begriff "stabile Seitenlage" hat fast jeder schon einmal gehört, bei der Umsetzung hapert es aber. Sinn dieser Position ist, den Verletzten so zu legen, dass seine Luftröhre frei bleibt und Erbrochenes nicht hineingelangt. Dabei ist der überstreckte Kopf und die seitliche Lage des Körpers entscheidend.

Und wie war das noch gleich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung? 30 Mal drücken, zwei Mal beatmen ist die Faustregel. Sebastian Horny hat außerdem eine clevere Merkhilfe: Lieder wie "Staying alive" von den Bee Gees oder "Yellow Submarine" von den Beatles geben einen Rhythmus vor, wie man ihn auch bei der Wiederbelebung am Patienten anwenden kann. 

Ein weit verbreiteter Irrtum: Verunglückten Motorradfahrern solle man nicht den Helm abnehmen, unter anderem wegen der angeblichen Gefahr eines Genickbruchs. Dem widerspricht der Experte: Der Helm muss runter! "Wenn der Verletzte keine Reaktion zeigt und nicht mehr atmet, muss man den Helm ganz vorsichtig abnehmen und sofort mit der Wiederbelebung beginnen", so Horny.

Was ist zu tun, wenn der Verletzte einen Herz-Kreislauf-Stillstand hat und der Puls nicht mehr spürbar ist? "Dann kommt der Defibrillator zum Einsatz", sagt Rettungsassistent Horny. Mittlerweile befinden sich die Geräte in vielen Geschäften und öffentlichen Einrichtungen und jeder kann sie ohne vorherige Einweisung benutzen. Das Gerät sagt dem Anwender Schritt für Schritt, mit welchen Maßnahmen er dem Verletzten helfen kann. Wo Defibrillatoren im Allgäu verteilt sind, finden Sie unter anderem auf Google Maps.

]Helfen statt Gaffen

"Mit dem "Internationalen Tag der Ersten Hilfe" am Samstag, den 12.09.2015, wollen wir auf die Notwendigkeit dieser Hilfeleistung hinweisen. Wir empfehlen, alle zwei Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren und damit die Scheu vor solch einem Notfall abzubauen," rät Sebastian Horny.

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