Oberstdorf
Lawinen aus der Luft auslösen

Im Januar 2010 soll am Nebelhorn das französische System «Daisybell» getestet werden, mit dem vom Hubschrauber aus Lawinen ausgelöst werden können. «Ideal für das Gemeindegebiet Oberstdorf mit seinen vielen Seitentälern», sagte Lawinen-Experte Xaver Hartmann bei der Zusammenkunft der ehrenamtlichen Lawinenkommissions-Mitglieder im Allgäu. Weitere Vorteile: Statt Sprengstoff wird Gas verwendet, das preiswerter und weniger riskant ist. Außerdem könne, so Hartmann, die Explosion wenige Meter über der Schneeoberfläche ausgelöst werden, was einen «Riesendruck» erzeuge und mehr Wirkung zeige als herkömmliche stationäre Sprengverfahren.

Drei Tote im Winter 2008/09

Drei Menschen kamen im vergangenen Winter in den Allgäuer Alpen durch Lawinen ums Leben. Bayernweit waren es acht, im Durchschnitt werden pro Jahr drei bis vier Todesfälle gezählt. Alle Unfälle in der Region ereigneten sich bei der (zweithöchsten) Gefahrenstufe 4. Skitouren unter diesen Bedingungen seien «ein Wahnsinn», betonte Willi Fink, Leiter der Alpinen Einsatzgruppe des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Nur durch «glückliche Umstände» seien keine weiteren Opfer zu beklagen gewesen.

Die ehrenamtlichen Mitglieder der Lawinenkommissionen der Landkreise Oberallgäu und Ostallgäu trafen sich auf dem Fellhorn, um aktuelle Fragen zu klären und Erfahrungen auszutauschen. Bayernweit sind derzeit rund 350 bergerfahrene und lawinenkundige Menschen in 32 örtlichen Kommissionen tätig.

Nicht immer werde ihre Arbeit ausreichend gewürdigt, klagte Roland Hölzle vom Landratsamt Oberallgäu. Für die Lawinenwarner werde es immer schwieriger, im Ernstfall ihren Arbeitsplatz verlassen zu können. Auch nehme die zeitliche Belastung «ständig» zu.

Gemeinden reagieren

Hans Konetschny von der Lawinenwarnzentrale im Bayerischen Landesamt für Umwelt berichtete, dass die Gemeinden auf die Warnungen der Lawinenkommissionen reagierten.

In der Saison 2008/09 - einem der «heftigsten und schadenreichsten Winter» in Bayern - seien insgesamt an 26 Tagen Straßensperrungen ausgesprochen worden.

Er informierte die Kollegen vor Ort über moderne automatische Schneemessstationen, mit denen die Beobachtungen von lawinenträchtigen Wetterentwicklungen erleichtert werden.

Die Stationen zeichnen Windrichtung und -geschwindigkeit sowie Lufttemperatur und -feuchte auf. Die Schneehöhe werde mit Hilfe von Ultraschall gemessen.

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