Kaufbeuren
Lautstark kündigt sich Gefahr an

Aus der Ferne klingen sie wie Jagdhörner, doch mit Grünröcken haben die Geräusche nichts zu tun. Sie gelten den Männern in roten Arbeitsanzügen, die auf den gigantischen Gleiserneuerungszügen zwischen Kaufbeuren und Buchloe ihren Dienst verrichten. Die dumpfen Töne warnen die Arbeiter vor herannahenden Zügen, denn während der Schienensanierung wird der Zugverkehr einseitig aufrechterhalten.

«Die Warnsignale sind zwingend notwendig», sagt der Bauüberwacher Ralph Blumroth. Grundlage dafür sind eine ganze Reihe von Vorschriften für jede Art von Baustelle im Gleisbereich, wobei die derzeit laufende Schienensanierung auf der insgesamt 40 Kilometer lange Strecke bei rollendem Verkehr zu den größten sicherheitstechnischen Herausforderungen zählt. Dreh- und Angelpunkte dabei sind Sicherheitsposten (Sipos) mit ihren Warngeräten, den sogenannten Tyfonen. Sie bestehen aus zwei Hörnern, die mit komprimiertem CO2 betrieben werden. Betätigt der Sipo den Schallgeberknopf, ertönt ein lautstarker Mischklang, der sich in seinen Tonfrequenzen vom Maschinenlärm unterscheidet. So warnen die Sipos die Arbeiter vor sich nähernden «Fahrten», also Schienenfahrzeugen. «Diese Aufgabe erfordert höchste Aufmerksamkeit», sagt Blumroth.

Sipos ist es deshalb verboten, körperlich zu arbeiten. Zudem werden sie laufend auf ihre physische und psychische Eignung hin untersucht.

«Akustische Warnmittel müssen auf jeden Fall Umgebungslärm wie laute Maschinen oder vorbeifahrende Züge übertönen können», sagt Blumroth. Deshalb bekommt von dieser Aufgabe der Sipos auch die halbe Stadt etwas mit, sobald ein Zug naht. Blumroth blättert in einem Handbuch: Der Arbeitszug verursacht unter Volllast Lärm von gut 105 Dezibel. Dem Tyfon müssen also mindestens 108 Dezibel entfahren, was etwa dem Lärm eines Presslufthammers entspricht. Einen Hörschutz dürfen die Sicherungsposten in ihren gelben Warnwesten aus Sicherheitsgründen nicht benutzen. Zudem müssen sie regelmäßig Pausenzeiten einhalten, den Arbeitsplatz wechseln und ihre maximale Tagesarbeitszeit strikt einhalten.

Auch wenn es nicht so aussehe: «Das ist ein wirklich anspruchsvoller Job», so Blumroth.

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