Jahresbilanz
Laut DGB immer mehr Jobs schlecht bezahlt und in Leiharbeit

Rückenwind verspüren die im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zusammengeschlossenen acht Einzelgewerkschaften nach eigenen Angaben im Allgäu. Die Mitgliederzahl habe sich mit rund 30000 stabil gehalten, sagte DGB-Regionsvorsitzender Werner Gloning bei einer Pressekonferenz. «Das Ungerechtigkeitsempfinden der Menschen nimmt deutlich zu», erklärte Werner Röll von der Gewerkschaft Verdi.

Nachdrücklich kritisierte Gloning die sozial- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland. So habe man mit dem Einfrieren der Arbeitgeberanteile zur Krankenversicherung dem Solidarprinzip den Todesstoß versetzt. Nun müssten Arbeitnehmer alleine die Last steigender Beiträge tragen.

Gloning kündigte an, die Gewerkschaften würden auch weiter gegen die Hartz-IV-Gesetze, gegen Leiharbeit und befristete Beschäftigungsverhältnisse sowie die Umgehung von Tarifverträgen kämpfen. «Auch beim Thema Rente mit 67 werden wir nicht ruhig sein», kündigte er an. Peter Schmidt, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) sagte, im gesamten Allgäu halte sich kein einziger Gastronomiebetrieb an die Arbeitszeitgesetze und an die Tarifverträge. Es gebe häufig massiven Druck, den Arbeitgeber gegen die Gründung von Betriebsräten ausüben.

Nach Angaben Rölls wollen immer mehr Unternehmen zwar in den Arbeitgeberverbänden bleiben, sich aber nicht mehr an die Tarife halten. Die Zahl solcher OT (ohne Tarifbindung)-Mitgliedschaften habe ganz massiv zugenommen. Resultat für die Beschäftigten seien dann Minilöhne in einer Größenordnung von fünf bis sieben Euro pro Stunde. Röll: «Menschen mit einem Vollzeitlohn von 800 bis 1100 Euro gibt es mittlerweile reihenweise.»

«Generation ausgebrannt»

Nach Angaben von Carlos Gil, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, konnte die Gewerkschaft zum dritten Mal in Folge einen Mitgliederzuwachs verbuchen - im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent. Gil beklagte, dass junge Menschen häufig mit befristeten oder schlecht bezahlten Jobs Vorlieb nehmen müssten. Für diese «Generation ausgebrannt» könne eine Familie zum Armutsrisiko werden.

Gil: «Wie soll jemand eine Familie gründen, wenn er nicht weiß, ob und wo er morgen noch eine Arbeit hat?» Jutta Aumiller vom Verdi-Fachbereich Gesundheitswesen sagte, dass auch im Krankenhausbereich immer mehr Menschen nur noch in so genannten Servicegesellschaften unter Tarifniveau beschäftigt werden. Laut Gewerkschaftssekretär Manfred Heeb gibt es im Bereich der Müllentsorgung in der Region nur noch ein tarifgebundendes Unternehmen.

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