Kabarett I
Lausdirndl Martina Schwarzmann begeistert in Kaufbeuren

Ein ausverkaufter, noch dazu eng bestuhlter Kaufbeurer Stadtsaal, der sich in Minutenschnelle noch vor der angekündigten Einlasszeit mit Zuschauern füllt - das gelingt wohl nur wenigen Künstlern so mühelos wie Martina Schwarzmann. Dabei hat die 32-Jährige so gar nichts Divenhaftes an sich. Mit einem lapidaren "Griaß eich! Schee, dass do seid's", begann sie pünktlich ihr Programm "Wer Glück hat, kommt".

Sie will ihr Publikum nicht warten lassen. Weiß sie doch, wie lästig die Warterei werden kann, und setzt dies auch gleich im ersten Lied um. Dabei entgeht ihr nicht, dass die Zuschauer bei der Textzeile 'S’Kamoi wort auf d’Oasn' verständnislos dreinblickten.

'I woaß scho, dass ihr an andern Dialekt hobt', erkannte sie sofort den Grund für die fragenden Blicke und schob gleich die Übersetzung nach: 'Das Kamel wartet auf die Oase.' Danach gab es keinerlei Verständnisprobleme mehr. Schwarzmann ließ sich sogar auf ein variables Ende ihres Lieds mit Happy End ein, denn 'so schlecht fangt ma ned o'.

Sie wusste die Mienen ihres Publikums zu deuten und witzelte über ihre unverkennbare, erneute Schwangerschaft: 'Bei mir hot der Rückbildungskurs net o’gschlagen.' Anfang 2010 brachte sie Tochter Johanna zur Welt und so wundert es nicht, dass ihre Mutterschaftserfahrungen auch ins Programm mit einflossen. 'I bin als Kate Moss ins Bett gangen und als Dolly Buster aufg’wacht', schilderte sie die Folgen des Stillens.

Doch gibt es auch Erlebnisse der anderen Art: Vor Begeisterung sabbernde 'Kinderwagerl-Neigrapscher', die mit nervtötendem 'Wo is a denn?' jede Ausfahrt zum Spießrutenlauf werden lassen. Sie kamen an den Spott-Pranger, wurden belacht und abgewatscht, genauso wie andere nervende Zeitgenossen.

Die ständig übers Wetter lamentierende Oma, Frauen mit 'g’scheckertem Schippl' in der Frisur oder dumpfe Stimmungslieder grölende Skihaserl – die Kabarettistin aus Überacker bei Maisach machte sich über alle so ihre Gedanken. Völlig uneitel saß sie ganz in Schwarz auf ihrem Hocker und der Schalk blitzte ihr aus den Augen.

Ein echtes Lausdirndl, das noch immer den Kopf voller Streiche hat. Doch weil es inzwischen erwachsen geworden ist, fallen die Streiche etwas subtiler und auch ein bisschen gemeiner aus. Dafür finden sie fast nur noch im Kopf und in ihren Liedern statt, die sie mit einfachen Gitarrenakkorden begleitete.

Doch sie kann auch ganz anders, etwa wenn sie beim 'Urlaub in der Wasserlache' die Welt auf den Kopf stellt und sich dabei ganz neue Sichtweisen ergeben. Sie ist das Madl vom Land, das zum Zucchini-Einfrieren Kondome einkauft und zur Maulwurfs-Vertreibung Weihnachtslieder mit Hansi Hinterseer einsetzt.

Ihre Bodenständigkeit ist das Erfolgsrezept der gelernten Köchin, die zahlreiche Preise für ihre Kunst erhalten hat und dennoch alles andere als eine Diva des Kabaretts sein will. Dafür liebt sie ihr Publikum und entließ sie auch in Kaufbeuren nicht ohne Zugaben und begeisterten Applaus aus dem Saal.

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