Lindenberg
«Lasst den Bolzplatz wo er ist»

«Warum lassen Sie den Bolzplatz nicht wo er ist?» diese Frage musste Bürgermeister Johann Zeh auf der Bürgerversammlung am Mittwochabend unzählige Male beantworten. Rund 70 Lindenberger sind am Mittwochabend ins LöwenFoyer gekommen, um über die geplante Verlegung des Bolzplatzes in der Lauenbühlstraße zu diskutieren.

Anwohner, Eltern und Kinder machten sich an diesem Abend für den Erhalt des Bolzplatzes stark. Schon seitdem bekannt geworden ist, dass die Kirchenstiftung plant auf dem Bolzplatz eine Kinderkrippe zu errichten, regt sich Widerstand im Stadtviertel. Bei einer Bürgerfragestunde Mitte Mai wurden über 1200 Unterschriften abgegeben, mit der Forderung den Platz zu erhalten. Schon während der Vorstellung der Pläne von Stadt und Kirche meldeten sich die ersten Bürger zu Wort. Sie forderten Bürgermeister Zeh und die Stadt auf, nach alternativen Plätzen zu suchen. «Gibt es denn keine anderen Flächen in der Stadt?», fragte eine Frau. «Und warum können die Krippen nicht an die Kindergärten angebaut werden», so eine Wortmeldung. Vor allem, dass es durch die Verlegung des Bolzplatz keine Einheit von Spiel- und Bolzplatz mehr geben wird, missfällt den Anwohnern.

Bürgermeister Zeh erklärte gemeinsam mit Stadtpfarrer Leander Mikschl und Stadtplaner Martin Hofmann, warum ein Neubau einer Kinderkrippe in Lindenberg notwendig ist. «Ab dem Jahr 2013 müssen wir eine bestimmte Anzahl von Krippenplätzen vorhalten - das ist gesetzlich so geregelt», sagte Zeh. Die derzeitigen Krippenplätze in den Kindergärten seien lediglich Provisorien. Mikschl machte als Vertreter der Kirchenstiftung - der das Gelände gehört - klar, dass er entweder an diesem Ort bauen werde oder gar nicht. Vorschläge aus der Versammlung die Krippe an den Afra-Kindergarten anzubauen oder in die Mitte des Geländes zu stellen, lehnte er ab. «Würden Sie Ihren privaten Garten zerstückeln, in dem Sie in die Mitte etwas bauen?», fragte er zurück in die Runde.

Seit 30 Jahren gibt es den Bolzplatz in der Lauenbühlstraße. Schon im Jahr 1996 setzten sich Bürger dafür ein, den Platz zu erhalten. «Sie haben uns das zugesagt», so Stimmen aus dem Saal. Außerdem habe der Platz Bestandsschutz, weil es ihn schon so lange gebe. Dem widersprach entschieden Bürgermeister Zeh. «Im Bebauungsplan ist kein Bolzplatz vorgesehen, er wird nur vom Landratsamt geduldet.» Gebe es eine Beschwerde müsse er abgebaut werden, ergänzte Mikschl.

Auch auf die Frage nach anderen Standorten, wie etwa das Reichgelände, hatte Zeh eine Antwort: «Das Gelände muss in der Hand der Stadt sein.» Zudem müsse das Gelände geeignet sein. So viel Auswahl gebe es nicht. «Glauben Sie uns, wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht», warb Zeh für Verständnis. Ein Dorn im Auge bei der Verlegung des Bolzplatzes ist auch der neue Standort selbst.

Zum einen müssten die Kinder eine Straße queren, was gefährlich sei, so Stimmen in der Bürgerversammlung. Außerdem sei der neue Platz zu abgelegen. «Sie schieben die Kinder ins Gewerbegebiet ab», empört sich eine Frau.

Es sei für Kinder durchaus zumutbar eine Straße zu queren, der Schulweg sei wesentlich länger, entgegnete Zeh. Außerdem nutzen die Kinder die Fläche schon bisher, nämlich im Winter als Rodelhang.

Um den Platz - der laut Zeh und Mikschl in Lindenberg knapp sei - optimal zu nutzen, sollen auf die Kinderkrippe zwei Stockwerke aufgestockt werden. Darin sollen 14 Wohnungen für ein betreutes Wohnen untergebracht werden. Auch hier sehen die Menschen in der Bürgerversammlung Probleme. «Kleine Kinder und ältere Menschen - wie soll das funktionieren?», zweifelt ein Mann.

Mikschl verweist auf Erfahrungen, die man mit solchen Modellen habe: «Ältere Menschen zeigen in der Nähe von kleineren Kindern mehr Vitalität und Lebensfreude.»

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