Allgäu
Landwirte zeigen sich streikbereit

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Frickenhausen/Unterallgäu «Vive la révolution, es lebe die Revolution!», ruft Erwin Schöpges, der Vorsitzende der belgischen Milcherzeuger-Interessengemeinschaft (MIG), den mehr als 1000 Besuchern im Frickenhausener Festzelt von der Bühne aus zu. Sie alle haben sich zum «Unterallgäuer Milchbauerntag» versammelt, den der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) veranstaltet. Auch Landrat Hans-Joachim Weirather ist gekommen (siehe auch Infokasten).

Fest entschlossen

Nach gut drei Stunden, nach engagierten Reden und Diskussionen, wird deutlich: Zahlreiche BDM-Milchbauern sind fest entschlossen, sich in den kommenden Tagen an den derzeit europaweit laufenden Streikaktionen zu beteiligen, mit denen höhere Preise und bessere Bedingungen für die Milchbauern durchgesetzt werden sollen.

Es ist bereits weit nach 23 Uhr, als Schöpges am Mikrofon den kämpferischen, revolutionären Gruß der französischen Milcherzeuger an die Unterallgäuer Landwirte weitergibt. Zuvor hat der Milchbauer aus Belgien mit einer flammenden, immer wieder von frenetischem Beifall begleiteten Rede seine Kollegen aus dem Unterallgäu öffentlich dazu aufgerufen, sich an den Streikaktionen zu beteiligen.

Der Belgier mit dem breitkrempigen Hut und dem aufgeknöpften Hemd nimmt keine Rücksicht und kein Blatt vor den Mund: «Es macht mich wütend, dass das Kartellamt dem BDM einen Maulkorb verpasst und ihm untersagt hat, zum Streik aufzurufen. Das hat mit Demokratie nichts zu tun. Bei uns in Belgien wäre so etwas undenkbar.»

Es weht ein Hauch von 1968 durch die rauchgeschwängerte Luft. Schöpges wirkt wie der Pariser Studentenführer Daniel Cohn-Bendit, als er sich energisch an die Landwirte wendet: «Leute, jetzt ist der beste Moment für einen Streik. Wir kämpfen für einen Systemwechsel. Jeder von Euch muss sich jetzt selbst fragen, ob er bereit ist, sich dafür einzusetzen.

» Der belgische MIG-Vorsitzende nennt in diesem Zusammenhang Zahlen: «In Frankreich haben die Bauern in den vergangenen Tagen bereits 60 Prozent ihrer Milch nicht mehr an die Molkereien geliefert.» Und in Belgien sollen in den nächsten Tagen drei Millionen Liter Milch auf einem Acker ausgebracht werden, um die Öffentlichkeit aufzurütteln.

Kämpferisch geben sich auch BDM-Kreisvorsitzender Manfred Gromer und BDM-Chef Romuald Schaber. Dieser betont: «Wir Milchbauern stecken in der tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.» Das gegenwärtige Schlamassel der Landwirte sei von Politik und Konzernen ganz bewusst herbeigeführt worden. «Wir müssen jetzt den Riegel vorschieben und sagen: So nicht!», unterstreicht Schaber.

Von selbst werde sich das Blatt für die Milchbauern nicht zum Guten wenden, macht er deutlich: «Wenn wir jetzt nicht alle gemeinsam das Ruder herumwerfen, dann sind wir verloren und verkauft.» Er malt den Teufel an die Wand: Mehrere zehntausend Milchbauern in Europa müssten demnächst ihren Betrieb aufgeben, wenn sich nichts ändere. Schaber feuert schließlich eine heftige Breitseite auf den Bauernverband (BBV) ab: «Stark ist der schon. Aber er kämpft nicht für uns, sondern für die Gegenseite.» Die im BDM organisierten Milchbauern sollten daher selbst ihr Schicksal in die Hand nehmen, empfiehlt Kreisvorsitzender Gromer: «Wir sollten nicht aufgeben, sondern kämpfen.»

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