Bauernverband
Landwirte sehen sich als Opfer

Der Dioxin-Skandal verdirbt vielen Verbrauchern den Appetit. Eier, Geflügel und Schweinefleisch bleiben vermehrt in den Regalen liegen. Laut der deutschen Ernährungsindustrie ist durch den Futtermittel-Skandal der Absatz bei diesen tierischen Produkten um zehn bis 20 Prozent gesunken. Gerhard Miller, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands im Unterallgäu, versucht trotz der Negativschlagzeilen gelassen zu bleiben.

«Das ist eine Riesensauerei. Aber wir Unterallgäuer Landwirte verfallen jetzt nicht in Panik.» Laut dem Schlegelsberger Landwirt befinden sich seine Kollegen und er in Wartehaltung: «Wir werden genau beobachten, wie sich der Skandal weiterentwickelt.»

Zum Zehn-Punkte-Plan von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner, den die CSU-Politikerin am Freitag vorstellte und in dem sie schärfere staatliche Kontrollen und Pflicht-Tests für alle Futterhersteller fordert, sagt Miller: «Wir haben bereits viele dicke Bücher, die voll mit Vorschriften sind. Wenn aber kriminelle Energie mit im Spiel ist, helfen auch stärkere Kontrollen nichts.»

«Konsumverhalten überdenken»

Kreisobmann Gerhard Miller hofft, dass die Verbraucher zwischen den Landwirten auf der einen und den Futtermittelherstellern auf der anderen Seite unterscheiden - und nicht den Bauern den Schwarzen Peter zuschieben: «Wir sind die Opfer, nicht die Täter.»

Im Zusammenhang mit dem Dioxin-Skandal wird derzeit auch über stetig fallende Lebensmittelpreise diskutiert. «Alles muss billig, billig, billig sein», schimpft Miller und verweist auf die Lage der hiesigen Milchbauern. «Milcherzeugnisse gehören ja immer wieder zu den Produkten, deren Preis gedrückt wird, wenn die großen Discounter mal wieder eine Sonderaktion starten.» Im Gegenzug müssten die Landwirte bei ihrer Kalkulation darauf achten, dass die Futtermittel nicht zu teuer seien, «wenn sie über die Runden kommen wollen», so der Kreisobmann.

Gleichzeitig appelliert Miller an die Verbraucher, ihr Konsumverhalten zu überdenken: Der Trend gehe in die falsche Richtung, beklagt der Landwirt: «Nämlich dahin, alles in ein und demselben Geschäft zu kaufen. Neben Nahrungsmitteln auch Babywindeln, Schuhe und Unterwäsche.

Das spart eben Zeit.» Besser wäre es seiner Ansicht nach aber, «wenn man nach Qualität auswählt, mehrere Geschäfte anfährt und vielleicht auch mal den Hof eines Landwirts». Dann könne man als Verbraucher beruhigt schlafen.

Dass derzeit weniger Fleisch und Eier auf den Tellern der Deutschen landen, bekommen Miller und seine Kollegen nicht direkt zu spüren. «Im Allgäu gibt es wenige Eier- und Schweinefleisch-Produzenten. Bei uns überwiegen die Milchviehhalter.» In Zahlen ausgedrückt: Weniger als 100 Schweinefleisch-Betrieben stehen laut dem Kreisobmann rund 2000 Milchviehhöfe gegenüber.

Erklärung von Herstellern

Eine ganze Reihe von Futtermittelherstellern, von denen regionale Landwirte ihre Tiernahrung beziehen, habe eine Erklärung abgegeben, dass sich in ihren Produkten keine Dioxin-Rückstände befinden: «Darauf müssen wir vertrauen», sagt Miller.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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