Blaue Tonne
Landrat: Keine Konkurrenz für Vereine

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Als Tagesordnungspunkt, «der uns allen keine gesteigerte Freude bereitet», bezeichnete Landrat Hans-Joachim Weirather das erste Thema der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses des Unterallgäuer Kreistags. Konkret ging es um die Frage, ob der Landkreis vor dem Hintergrund des geplanten neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes selbst eine Blaue Tonne einführt oder dieses Feld gewerblichen Anbietern überlässt. Wie berichtet, beauftragten die Ausschussmitglieder die Kreisverwaltung schließlich damit, die Einführung der Blauen Tonne vorzubereiten. Wenn das neue Gesetz wie geplant im Frühjahr 2011 in Kraft tritt, könnte sie ab Herbst angeboten werden.

«Die Frage ist nicht, ob die Blaue Tonne kommt, sondern wer sie aufstellt», sagte Weirather. «Wenn wir nichts tun, geben wir das Thema aus der Hand», so der Landrat weiter. In seinen Augen bliebe dem Landkreis keine andere Wahl, wenn er verhindern will, dass sich gewerbliche Anbieter lukrative Gebiete herauspicken und zudem in Konkurrenz zu den sammelnden Vereinen treten. Dass sie durch die geplante Neuregelung keinesfalls um eine wichtige Einnahmequelle gebracht werden sollen, lag allen Ausschussmitgliedern am Herzen. «Wir würden den Vereinen am liebsten keine einzige Tonne wegnehmen», so Weirather.

Sollten sich die Prognosen von Anton Bauer, dem Leiter der Abfallwirtschaft am Landratsamt, erfüllen, sähe es tatsächlich nicht allzu düster aus. Wie einige Kreisräte geht er davon aus, dass es in Gemeinden, in denen die Vereine regelmäßig und häufig sammeln, kaum Nachfrage nach den Blauen Tonnen geben wird.

Bis zu 25 Euro mehr pro Tonne

Daneben ist es dem Landkreis gelungen, mit den Altpapierhändlern und der Papierfabrik für die nächsten beiden Jahre einen - je nach Qualität oder Sammelsystem - bis zu 25 Euro höheren Preis pro Tonne Zeitungspapier auszuhandeln. Bauer zufolge würden die Vereine demnach auch dann noch gleich viel Geld einnehmen wie in den Jahren zuvor, wenn ihr Sammelergebnis um bis zu ein Viertel einbrechen sollte.

In einem Gespräch mit den Vereinsvertretern soll außerdem ausgelotet werden, wie diese ihr Angebot aufrechterhalten und möglicherweise noch attraktiver gestalten können. Dabei betonte Weirather, dass der Landkreis - im Gegensatz zu gewerblichen Anbietern - nicht für die Blaue Tonne werben oder sie den Bürgern gar «aufdrücken» wolle. Jedem bleibe die Entscheidung freigestellt.

«Vorzeichen haben sich geändert»

Insgesamt waren sich die Räte darin einig, dass es unter den veränderten Bedingungen keine Alternative zur landkreiseigenen Tonne gibt. Lediglich Roswitha Siegert (CSU) und Meinrad Bernhard (FW) verweigerten die Zustimmung. Nachdem der Landkreis jahrelang vor der Blauen Tonne gewerblicher Anbieter gewarnt habe, könnten sie die jetzige Kehrtwende nicht mittragen.

Weirathers Einwand, dass sich die Vorzeichen geändert hätten und die Botschaft dadurch eine ganz andere sei, überzeugte sie nicht.

 

Wenn das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz im nächsten Jahr wie geplant in Kraft tritt, will der Landkreis darauf mit einer eigenen Altpapiertonne reagieren. In seiner jüngsten Sitzung hat der Umweltausschuss die Verwaltung beauftragt, entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Foto: Sebastian Hofmann

 

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