Urteil
Landgericht Memmingen verurteilt 38-Jährigen zu zwei Jahren

Betrunken, depressiv und wütend auf die Ex-Freundin, weil sie sich angeblich nicht genug um den gemeinsamen Sohn kümmert – eine gefährliche Kombination: Ein 38-jähriger Unterallgäuer rastete aus und schlug auf die Frau, mit der er zuvor sieben Jahre zusammen war, immer wieder brutal ein und würgte sie am Hals.

Wegen gefährlicher Körperverletzung mit Nötigung, Bedrohung Beleidigung und Widerstands gegen Polizeibeamte hat das Landgericht Memmingen nun einen Mann aus dem östlichen Unterallgäu zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.

Den Vorwurf der Ex-Freundin, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt, ließ das Gericht wegen der unglaubwürdigen Schilderung der Frau allerdings fallen.

Der Kfz-Mechaniker neigt zu spontanen Ausrastern, wie sein Vorstrafenregister bestätigt: Wegen Körperverletzung und Beleidigung hat sich der Mann schon öfter vor Gericht verantworten müssen.

Unter Tränen schilderte die Ex-Freundin vor Gericht, die mit dem Angeklagten einen vierjährigen Sohn hat, was an diesem Abend im Oktober 2011 passiert ist: Gegen halb elf Uhr abends stand ihr ehemaliger Lebensgefährte unangemeldet vor der Tür.

Er war betrunken und aggressiv, stellte den Fuß in die Tür und drang in die Wohnung ein. Es kam zum Streit. Die Situation eskalierte. Der Angeklagte würgte seine Ex-Freundin am Hals und schlug ihr ins Gesicht, sodass ihre Nase anfing zu bluten.

'Dann hat er mich geschubst, ich bin nach hinten auf eine Kante gestürzt', sagte die Frau vor Gericht. Eine Platzwunde am Hinterkopf war die Folge, überall war Blut. Die Frau musste sich übergeben. Auf der Toilette schrieb sie ihrem neuen Lebensgefährten von ihrem Handy aus eine Nachricht. Dieser verständigte sofort die Polizei.

Die Vorwürfe gegen ihn gestand der Angeklagte weitgehend. 'Wenn ich könnte, würde ich alles rückgängig machen. Ich sehe das Leben nun ganz anders', sagte er vor Gericht. Die sechsmonatige Untersuchungshaft, in der er seit Oktober 2011 sitzt, habe ihn verändert.

Dem Gewaltausbruch gegen seine Ex-Freundin folgten damals noch weitere Straftaten: Das Opfer beantragte für sich und ihren Sohn ein Kontaktverbot für den Angeklagten.

Als zwei Polizeibeamte ihm die Nachricht überbrachten, rastete er wieder aus, vor allem, weil er seinen Sohn nicht mehr sehen durfte. Er ging auf die Polizisten los, es kam zur Rangelei.

Einen Polizisten stieß der Angeklagte zu Boden, fiel auf ihn und würgte ihn am Hals. Sein Kollege sprühte dem Mann dann Pfefferspray ins Gesicht und überwältigte ihn. Der Angeklagte kam auf die Polizeiwache, von dort aus ging es mit zwei anderen Beamten ins Krankenhaus nach Kaufbeuren.

Dem Mann musste Blut entnommen werden, um seinen Alkoholpegel zu bestimmen. Da er außerdem verwirrt war und große Stimmungsschwankungen zeigte, musste er wegen Fremd- und Eigengefährdung in der Klinik bleiben. Auch diesen Beamten widersetzte er sich und beschimpfte sie, sagten die Zeugen vor Gericht aus. Jetzt tue ihm sein Verhalten leid, sagte der Angeklagte.

Strittig war in der Verhandlung, ob er an dem Tatabend seine Ex-Freundin mit einem Messer bedroht hat – und vor allem, ob er sie vergewaltigt hat. Erst einige Tage nach der Tat hatte die Frau Aussagen zu einer angeblichen Vergewaltigung gemacht.

'Ich habe mich geschämt', sagte sie. Weder den Polizisten am Tatort noch ihrem Freund hatte sie an dem Abend von einer angeblichen Vergewaltigung erzählt. Der Angeklagte bestritt diese Vorwürfe vehement.

In der Verhandlung ließ Richterin Brigitte Grenzstein klar erkennen, dass sie glaubt, die 29-Jährige lüge, was die Vergewaltigung angehe. 'Sie schildern die Tat nicht wie jemand, der sie erlebt hat und widersprechen sich in ihren Aussagen', sagte die Richterin.

Nach ihrer Ansicht wollte die 29-Jährige sich bei ihrem Ex-Freund für die brutale Misshandlung mit einer Falschaussage rächen. Außerdem wolle sie das alleinige Sorgerecht für den Sohn – was bei einer längeren Haftstrafe einfacher durchzusetzen gewesen wäre. Das Strafmaß bei Vergewaltigung wäre für ihn deutlich höher ausgefallen.

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