Prozess
Landgericht Kempten: Mann (30) soll Stieftochter 165-mal missbraucht haben

165-mal soll ein 30-Jähriger seine heute 17-jährige Stieftochter in der Zeit von 2005 bis 2009 missbraucht haben. Der gelernte Koch steht deshalb derzeit vor dem Kemptener Landgericht.

Unter Tränen schilderte das Mädchen die Taten des Mannes, die ihm in Ostdeutschland und im Allgäu angetan worden sein sollen. Die junge Frau befindet sich seit 2009 - wie ihr 15-jähriger Bruder - in einer Pflegefamilie.

Erst vor wenigen Wochen war die Mutter der beiden, zugleich die Ehefrau des 30-jährigen Angeklagten, vom Amtsgericht Sonthofen zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden, weil sie die Geschwister nach Ansicht des Gerichts jahrelang geschlagen und vernachlässigt hatte. Die 40-Jährige trat als Beistand ihres Ehemanns vor Gericht auf - und verwies alle Missbrauchsvorwürfe ihrer Tochter ins Reich der Fantasie. Für den Prozess sind mehrere Verhandlungstage vorgesehen.

Laut Anklageschrift war es im Sommer oder Herbst 2005 zum ersten Mal zu einem Übergriff des Stiefvaters auf die damals Achtjährige gekommen. Sie hatte den Pizzaboten auf einer Ausfahrt begleitet. In einem Waldstück zwang er das Kind zu sexuellen Handlungen. Diese Fälle häuften sich von da an. Mal habe sich der Mann unter dem Vorwand, eine Gute-Nacht-Geschichte zu erzählen, zu dem Mädchen ins Bett gelegt.

Dann gab es Vorfälle im Bad. Ab Sommer 2006 sei es wöchentlich mindestens einmal dazu gekommen, dass sich der Stiefvater an dem Mädchen verging – auch, nachdem die Familie von Ostdeutschland ins Allgäu gezogen sei. 2009 hatten Jugendschutzbehörden der Mutter und dem Stiefvater schließlich – etwa wegen des Vorwurfes der Vernachlässigung – die insgesamt vier Kinder weggenommen.

Das betroffene Mädchen begab sich in psychotherapeutische Behandlung. Dabei kam heraus, dass es auch schon vom Bruder der Mutter misshandelt worden sei. Ihr Psychologe verwies darauf, dass die Schilderungen des Mädchens 'schlüssig und glaubhaft' seien. Taten erst spät angezeigt Die 17-Jährige musste bei der Befragung vor Gericht viel weinen. Sie habe nie Liebe von ihrer Mutter bekommen. Diese zeigte sich von dem Schluchzen der Tochter im Gerichtssaal aber völlig ungerührt.

Das Mädchen skizzierte weiter, dass es nicht gewusst habe, wie ihm geschah, als der Stiefvater begonnen habe, sich an ihr zu vergreifen. 'Meine Mutter hätte mir eh nicht geglaubt, wenn ich ihr das erzählt hätte.' Sie habe Angst gehabt – und alles verschwiegen. Bis sie sich später einer Schulfreundin, ihrer Pflegefamilie und ihrem Therapeuten anvertraute.

Schließlich ging sie zur Polizei und zeigte die Missbrauchsfälle durch den Onkel und den Stiefvater an. Verhandelt werden derzeit auch 16 Fälle von Gewalttätigkeiten des Stiefvaters gegen den 15-jährigen Bruder des Mädchens. Dieser betonte, dass die Kinder oft eingesperrt waren, wenig zu essen und viele Schläge bekamen. Einen Missbrauch an seiner Schwester habe er aber nie gesehen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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