Kempten
Kunststücke auf der Geige

Ein klasse Geiger, ein klasse Pianist, ein klasse Streicherensemble, eine klasse Musikauswahl, ein klasse Programmheft, ein klasse Ambiente, ein klasse Publikum - alles in allem ein klasse Auftakt der Meisterkonzerte dieser Saison im Theater in Kempten (Tik), für den der bekannte Geiger Ingolf Turban mit seinem Streicherensemble «I Virtuosi di Paganini» sorgte.

Turban und sein Ensemble boten im ersten Teil Musik von und um Paganini. Eine Generation vor Paganini wirkte der ebenfalls als «Teufelsgeiger» bewunderte Giuseppe Tartini (1692 - 1770) als Virtuose und Komponist in Padua. Von ihm stammt das wohl größte Lehrwerk des ausgehenden Barock über Verzierungstechnik, wozu auch die Triller gehören. Die «Teufelstriller-Sonate» gibt Zeugnis davon.

Mit stupender, virtuoser Leich-tigkeit, sowohl die Bogentechnik als auch die Fingertechnik der linken Hand betreffend, beherrschte Turban verblüffende Effekte wie Doppeltriller, Pizzicati mit der linken Hand, Sprungbogen und andere «Kunststücke» fast wie Kartenspielertricks. Neben der Virtuosität kam die Empfindsamkeit, gerade bei den langsamen Sätze, nicht zu kurz.

Das zweite Werk stammte von dem unbekannten Genueser Komponisten Camillo Sivori (1815 - 1894), dem wohl einzigen Schüler Paganinis. Er muss bereits mit sieben Jahren so hervorragend Geige gespielt haben, dass Paganini, der sonst nicht unterrichtete, sich seiner annahm. Sivoris lyrisches Stück «Romanza senza parole» brachten die Künstler «con sentimento» zu Gehör.

Nicolo Paganini (1782 - 1840), ebenfalls aus Genua, dessen Werk sich Turban und sein Ensemble verschrieben haben, war mit seinen Werk «Le Streghe» (Die Hexen) vertreten. Auch hier wechselten hochvirtuose Passagen mit sehr sinnlichen Abschnitten ab, deren Übergänge die Musiker sehr organisch vollzogen.

Präzises Spiel

Nach der Pause erklang das Doppelkonzert für Violine, Klavier und Streichorchester des 14-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847). Den teils virtuosen, teils lyrischen Klavierpart meisterte souverän der Pianist Matthias Kirschnereit, der gerade einen Echo-Klassik»-Preis gewonnen hat. Es war eine Freude zu erleben, wie sich Kirschnereit und Turban ergänzten und sich die Themen zuspielten - im ersten Satz mit barocken Anklängen, im sentimental-lyrischen zweiten und im temperamentvollen letzten Satz. Das Streicherensemble aus jungen Musikern spielte sehr präzise, passte sich perfekt an die Dynamik der Übergänge und die Tempiwechsel an.

Die Herkunft der Musiker aus mehreren Nationen soll den Gedanken an die verbindende Funktion der Musik, nicht nur die Musik selbst vermitteln - so der sympathisch-bescheidene Turban.

Der Flügel hätte besser gestimmt sein können. Das hat aber den überaus positiven Eindruck des Konzertes, für den sich das Publikum mit spontanem Applaus, teilweise sogar zwischen den Sätzen bedankte, in keiner Weise geschmälert.

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