Einzelhandel
Kunden stürmen die Lindenberger Schlecker Filiale, die in einer Woche schließt

Einen solchen Andrang wie gestern hätten sich die Mitarbeiter der Lindenberger Filiale der Drogeriemarkt-Kette Schlecker in den vergangenen Jahren gewünscht. 'Dann wären wir nicht pleite gegangen', stellt einer von ihnen fest. Auslöser der Enge zwischen den Regalen und der Warteschlange an der Kasse ist seiner Meinung nach das Abverkaufsangebot: 'Die Leute wollen noch ein Schnäppchen machen'. 30 Prozent auf alles gibt es – und so leerten sich die zuletzt ohnehin nicht vollen Regalen gestern rasant.

Die Schließung der letzten Schlecker-Filiale in Lindenberg zum 24. März in Folge der Insolvenz des Unternehmens kann Bürgermeister Johann Zeh nicht verstehen. 'Wir hatten gehofft, dass dieser Kelch an der Stadt vorübergeht', so Zeh, nachdem er gestern aus der Heimatzeitung von der Schließung erfahren hatte. 'Das ist sicher ein guter Standort, der gut lief', sagt er. Die Schließung sei ein Rückschlag für die Bemühungen, die Innenstadt zu beleben.

Nun tue sich ein Loch an einer Stelle auf, an der man es nicht erwartet habe. 'Immerhin tut sich im alten Schlecker-Markt in der unteren Hauptstraße etwas. Er wird gerade für die künftige Nutzung saniert', so Zeh.

Für ihn hatte Schlecker trotz der Ansiedlung der Drogeriemarkt-Kette Müller seine Daseinsberechtigung: 'Sonst gäbe es ja nicht das Interesse anderer Drogerie-Ketten.' Möglichst schon in der kommenden Woche will Zeh ein Gespräch mit dem Hauseigentümer führen. Denn: 'Ein Leerstand am Stadtplatz wäre eine Katastrophe.'

Das kann sich Karl Bufler nicht vorstellen. Der Vorsitzende der Leistungsgemeinschaft (LG) Lindenberg ist überzeugt, dass das Geschäft relativ schnell wieder belegt sein wird. 'Das ist eine tolle Lage', sagt Bufler. Schlecker war zwar nicht LG-Mitglied. Dennoch bedauert Bufler die Schließung: 'Das ist natürlich nicht förderlich.

' Sein Vorstandskollege Daniel Haisermann sieht das ebenso und kann über den Grund für die Schließung nur spekulieren: 'Offenbar wird die Produktpalette andernorts besser angeboten.' Konkrete Gründe, warum es die Lindenberger Filiale trifft, sind bislang nicht bekannt. Die von Schlecker beauftragte Presseagentur war gestern nicht zu erreichen.

Hinter den Kulissen geht indes das Ringen um die Zukunft der Mitarbeiter weiter. Fünf waren bislang in der Fleisch-Abteilung der Schlecker-Filiale beschäftigt. Da es grundsätzlich keine solche Abteilungen mehr bei Schlecker geben soll, scheidet eine Weiterbeschäftigung an einem anderem Standort aus. 'Wir sind schon auf Arbeitssuche', ist aus der Abteilung zu hören. Eine Mitarbeiterin ergänzt, dass sie bereits fündig wurde: 'Ich bin über 50.

Da konnte ich nicht warten und habe schon frühzeitig einen neuen Arbeitsplatz gesucht.'

Die vier Mitarbeiter aus dem Drogerie-Bereich können nach Ansicht von Gewerkschaftssekretärin Manuela Schaut von Verdi in Kempten noch hoffen, andernorts einen Arbeitsplatz bei Schlecker zu erhalten. Derzeit, so Schaut, werde am Sozialplan gearbeitet: 'Insolvenzverwalter, Gesamtbetriebsrat und Verdi leisten gerade Nachtschichten.' Die Details sollen am Wochenende feststehen. Eine regionale Betriebsversammlung findet am Montagabend in Kempten statt.

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