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Kultusminister spricht in Bad Wörishofen mit Schülern, Lehrern sowie Eltern und erntet Kritik

Praxis traf Theorie, so kann die Informationsveranstaltung mit dem bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle rund um die bayerische Schulpolitik am Donnerstagabend in Bad Wörishofen beschrieben werden. Auf Einladung der Jungen Union gab der Minister einen umfassenden Überblick über das seiner Meinung nach «sehr gut differenzierte, bayerische Bildungssystem mit großen Chancen für jeden einzelnen Schüler».

Eine wohnortnahe Versorgung war dem Minister ebenso wichtig wie Bildungsgerechtigkeit: «Wir wollen die Schule im Dorf lassen», so Spaenle, «und jedem Kind in Bayern eine passende Bildungslaufbahn bieten». In seinem Kurzreferat hob er unter anderem die Bedeutung jahrgangskombinierter Klassen hervor, das Sterben der Hauptschulen hätte so fast gestoppt werden können.

«Feuer frei» gab der Minister dann zur Diskussionsrunde. Dabei kritisierten Lehrer, Mütter hochbegabter Kinder, Referendare und Schüler die bayerische Schulpolitik und forderten vor allem mehr Lehrer. Das Wunschdenken scheitere einfach an der Finanzierung, so der Minister, der aber immer wieder betonte, wie gut die bayerische Bildungspolitik im Vergleich zu anderen Bundesländern dastehe. Die Fragesteller zeigten sich jedoch ob dieser Antwort enttäuscht.

«Unsere Sorgen bezüglich der immensen Arbeitsbelastung an der Mittelschule hat Spaenle nicht wirklich ernst genommen. Auch nicht unsere Forderung, die Gesundheit der Lehrer vor dem Hintergrund verstärkt auftretender Burn-outs mehr zu schützen», so Brigitte Mückisch-Klein, Lehrerin in Türkheim. Mit «einer gewissen Ohnmacht» ging nach eigener Aussage auch Kollegin Gudrun Kissinger-Schneider nach Hause. Sie hatte Spaenle von 166 Vertretungsstunden berichtet, die vier Lehrkräfte an ihrer Schule jüngst abgeleistet hätten. Alle Lehrer würden gerne qualifizierten, guten Unterricht leisten, doch das sei bei diesen Überbelastungen nur schwer möglich.

«Nicht wirklich verstanden» fühlte sich Franziska Paul, die nach ihrem zweiten Staatsexamen keine Anstellung bekommen hatte und nun an einer Privatschule unterrichtet. «Ludwig Spaenle hat meine Probleme hinsichtlich ungenügender Studienberatung und der Stundenzahl-Kürzung im Referendariat einfach heruntergespielt», so ihr Urteil. Immerhin versprach der Minister, auf eine bedarfsorientierte Beratung vor dem Studium ein noch größeres Augenmerk zu legen. Auch die Herausforderung an der Mittelschule bezeichnete er als groß. Eine seiner politischen Absichten sei es, eine Englischstunde zusätzlich zu manifestieren und diese nicht aus dem Bestand zu bestücken.

Begabtenförderung nur auf dem Papier

Dass die Begabtenförderung nur auf dem Papier stehe und heute schon nicht funktioniere, kritisierten Mitglieder der Elterninitiative «Intellegimus», eine Selbsthilfegruppe hochbegabter und unterforderter Kinder. Die Mütter erhofften sich eine Antwort, wie das Kultusministerium es sich vorstelle, gleichzeitig in einer Klasse Hochbegabte und Kinder mit Behinderungen zu fördern. Spaenle verteidigte den jüngsten Gesetzesentwurf der Inklusion (siehe Infokasten) als «Meilenstein für die Integration von Behinderten. An unseren Förderschulen halten wir aber selbstverständlich weiter fest.» Künftig werde die Entscheidung bei den Eltern liegen, in welche Schule sie ihr Kind geben», so Spaenle.

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