Marktoberdorf
Küssende Kate bringt Modeon zum Kochen

«Wunderbar, wunderbar» - Cole Porters Musical «Kiss me Kate» strotzt nur so von Ohrwürmern. 1948 nach William Shakespeares Vorlage «Der Widerspenstigen Zähmung» entstanden, zählt es zu den größten und attraktivsten Klassikern des Musicalrepertoires. Nach den großen Erfolgen unter anderem mit «Joseph» von Andrew Lloyd Webber, das bereits zweimal inszeniert wurde, nahm sich die Fachschaft Musik des Marktoberdorfer Gymnasiums in diesem Jahr den Musicalhit des Jahres 1949 vom Broadway vor, der damals gleich fünf Tony Awards einheimste. So sind auch die Erwartungen des Allgäuer Publikums hoch: Bereits vor der Premiere waren alle sechs Vorstellungen ausverkauft. Doch wurden diese Erwartungen bereits bei der Premiere mehr als erfüllt - der Saal des Modeon kochte vor Begeisterung. «Es ist viel zu heiß» konnte deshalb nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen mitgesummt werden, sondern auch die Emotionen in dem Spiel um Liebe, Eifersucht und Gaunereien übertrugen sich schnell aufs Publikum.

Monumentales Musikerlebnis

Es ist die Geschichte einer Theatergruppe in den USA, die in der Nachkriegszeit eine historische Fassung des Shakespeare-Klassikers aufführt. Fred Graham soll den Petruchio darstellen, seine geschiedene Ehefrau Lilli Vanessi die spröde Kate. Schnell wird klar, dass nicht erloschene Gefühle im Leben der beiden auch auf der Bühne eine entscheidende Rolle spielen. Eifersucht auf Lois Lane etwa, der ein Blumenstrauß galt, den nun Lilli in Händen hält. Dazu Spielschulden, von Bill Calhoun (Niclas Beinhorn) raffiniert auf Graham abgeschoben, dem nun zwei mafiöse Gangster auf den Leib rücken, die die Ereignisse gehörig durcheinanderwirbeln.

Ein monumentales Musikerlebnis mit rund 400 Schülern, die sich auf und hinter der Bühne mit ganzer Leidenschaft einbringen. Großartig das 70-köpfige Orchester, das den ganzen Saal mit einer Welle der bis heute unverändert reizvollen, jazzigen Musik erfüllte. Dazu konnten sich die Darsteller schon bei der Premiere regelrecht austoben: Johannes Weihmayr als Fred Graham/Petruchio, dessen kräftiges Timbre nicht nur Lois Lane und Lilli Vanessi betörte. Dazu der aufregende Hüftschwung von Judith Schwendiger als Lois/Bianca, die mit ihrer kraftvollen Stimme nicht nur ihre zahlreichen Verehrer, sondern auch die Zuschauer in Verzückung brachte. Auch wenn sie sich spröde und unnahbar zeigen musste: mit viel Seele und nuancenreich variierend, sang und spielte Franziska Weinhart die Rolle der Lilli/Kate.

Komik und Dynamik

Situationskomik und Dynamik des Stücks sprangen schnell auf die Zuschauer über, besonders die beiden schwarz gekleideten Gangster (Gereon Lind und Boris Saccone) mit ihrem schwäbischen und russischen Akzent hatten die Lacher auf ihrer Seite. Eine gute Hand bei der Rollenbesetzung bewies hier die Leitung von Stephan Dollansky, Susanne Holm und Stefan Wolitz und die einfühlsame Regie von Andrea Mellis. Hinreißende Tanz- und Steptanz-Szenen mit durchwegs überzeugenden darstellerischen und gesanglichen Leistungen ließen am Premierenabend Broadway-Feeling im Modeon entstehen. Eine perfekte Schau von hoher Professionalität, bei der jeder seinen großen oder kleinen Beitrag mit Können, Engagement und überschäumender Spielfreude leistete. Dafür gab es verdient stürmischen Applaus.

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