Forum
Kritik kommt auf den Tisch

Ein paar bunte Filzstifte, gelbe Stichwortzettel und Menschen mit rauchenden Köpfen, die auf Plastikstühlen um einen Tisch sitzen: So sieht gelebte Demokratie im Memminger Kulturzentrum Kaminwerk aus. Dort findet an diesem Abend ein von der Friedrich-Ebert-Stiftung ins Leben gerufenes Mitmachforum statt. Es trägt den Titel «Regionalwerkstatt lebendige Demokratie» (siehe Infokasten).

«Ich wünsche mir eine Schule, in der alle gesellschaftlichen Schichten gleich stark vertreten sind und auch Behinderte nicht ausgeschlossen werden», sagt der 18-jährige Fabian Eberhard, der am Thementisch «Schule und Ausbildung» Platz genommen hat. Förderung hänge zu sehr vom sozialen Status der Eltern ab. Außerdem seien Menschen mit Handicap benachteiligt, sagt der Erkheimer Gymnasiast, der selbst an einer autistischen Behinderung leidet. Um Fabian herum auf dem Tisch verstreut liegen Stichwortzettel, auf denen Teilnehmer Kritik am Bildungssystems niedergeschrieben haben: «Zu frühe Schülerselektion», «Leistungsdruck» und «Mangelnde Werte» steht auf den Zetteln.

«Persönlichkeit fördern»

«Noten sind unvermeidbar. Aber unwichtiger Stoff muss weg», sagt Verena Grzywa, 16 Jahre. Von dem Vorschlag eines Tischnachbarn, Pädagogen gemeinsam unterrichten zu lassen, hält das Mädchen wenig: «In Englisch haben wir zwei Lehrer. Das funktioniert überhaupt nicht.» Verena wünscht sich, dass die Persönlichkeit in der Schule stärker gefördert wird. Lehrer, die sich Kindern gegenüber unfair verhalten, möchte ihr Vater Wolfgang Grzywa nicht an Schulen sehen: «In der freien Wirtschaft können schlechte Arbeitskräfte auch nicht überleben.»

Am Thementisch «Kommunalpolitik» dreht sich zu diesem Zeitpunkt alles ums Geld. Auf einem Stichwortzettel, den Teilnehmer und SPD-Bundestagsabgeordneter Heinz Paula beschrieben hat, steht «Problem: Finanzen.

» Die richtige Verteilung des Geldes sei schwierig, so der Politiker. «Die Erwartungen der Bürger widersprechen sich oft extrem. Geht der Nachwuchs in den Kindergarten, wollen sie besser finanzierte Kindergärten. Haben sie Schulkinder, dreht sich alles um die Bildung.»

Rechts neben Heinz Paula sitzt Herbert Thomas aus dem Memminger Westen: «Das Projekt ,Soziale Stadt sollte die Qualität unseres Wohnviertels verbessern. Allerdings hätte man für das Geld, das man für Info-Prospekte ausgegeben hat, lieber einen Spielplatz sanieren sollen», kritisiert Thomas. Er bemängelt auch, dass es für Schulkinder in der Bodenseestraße keine Bahn-Haltestelle gibt.

Gegen Urwald-Rodung und Meeresverschmutzung sowie für mehr Respekt vor der Schöpfung sprechen sich die Diskutierenden am Thementisch «Umwelt» aus. Gymnasiast Fabian Eberhard, der sich inzwischen umgesetzt hat, spricht engagiert zum Thema «Atomkraft».

Am Ende sind die Organisatoren mit den Ergebnissen des Abends zufrieden. Allerdings hätten sie sich mehr als die rund 20 Teilnehmer gewünscht.

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