Betreuung
Krippen: Wartelisten nun noch länger

Diese Zahl hatte die Experten sprachlos gemacht: 170 Kleinkinder unter drei Jahren standen im September auf den Wartelisten der Kemptener Krippen. Ein Jahr zuvor waren es noch 50 gewesen. Um zu überprüfen, ob tatsächlich so viele Kinder einen Platz benötigen, hat die Stadt erneut alle Zahlen zusammengetragen und um Doppelanmeldungen bereinigt. Das - schon wieder - völlig überraschende Ergebnis: Nicht 170 Kinder, sondern mittlerweile sage und schreibe 367 Kinder unter drei Jahren stehen auf den Wartelisten.

Da davon bis September viele bereits drei Jahre alt werden und dann einen Kindergarten besuchen können, fehlen laut Birgitt Richter vom Amt für Kindertagesstätten, Schulen und Sport zum nächsten Krippenjahr noch 213 Plätze. Dabei herausgerechnet sind auch Kinder aus dem Umland. Viel Arbeit also für das Amt für Kindertagesstätten - sieht die Planung derzeit doch nur 94 neue Plätze bis 2013 vor.

Und warum gibt es diesen Ansturm auf die Krippen? Da nennt Richter zum Beispiel ein verändertes Familienbild («viele Frauen wollen sich nicht mehr komplett aus dem Beruf zurückziehen») sowie den Fachkräftemangel. Die Firmen wollen ihr zufolge gut ausgebildete Frauen halten. Immer mehr Familien würden daher eigens wegen der Kinderbetreuungs-Angebote nach Kempten ziehen.

«Unser Sohn ist total begeistert»

Auch für Michael Schropp und seine Frau war es nie eine Frage, dass sie ihren Sohn Lukas in eine Krippe geben würden. So kann der Papa des Eineinhalbjährigen sein Betriebswirtschaftsstudium an der Hochschule abschließen und die Mama wieder Arbeit suchen. «Unser Sohn ist total begeistert, er geht in eine tolle Gruppe und hat nette Erzieherinnen», sagt Michael Schropp, der auf dem Lindenberg wohnt. Er bestätigt eine Einschätzung der Stadt: «In vielen Köpfen ist inzwischen angekommen, dass die Kinder in einer Krippe nicht einfach weggesperrt werden.»

Und wie haben die Eltern überhaupt einen Platz für den Sprössling bekommen? Indem sie es machten wie viele andere Kemptener: «Wir haben mehrere Einrichtungen abgeklappert», sagt Schropp. Außerdem hätten sie sich schon früh um einen Platz gekümmert. «Wir kommen ursprünglich aus München - und da ist die Situation ja viel schlimmer.»

Zentrale Anmeldestelle gefordert

Apropos Anmeldung: Da hatten die Grünen-Stadträte kürzlich vorgeschlagen, eine zentrale Anmeldestelle für alle Kindergärten und -krippen in Kempten einzurichten - auch über eine Internetplattform. «Mein erster Eindruck ist, dass das sinnvoll wäre», meint dazu Richter vom Amt für Kindertagesstätten. Die Prüfung laufe jedoch noch.

Insgesamt sei es nicht einfach, schnell auf den stark gestiegenen Bedarf zu reagieren. Denn gerade bei der Kleinkinderbetreuung sei die Qualität entscheidend. Derzeit, sagt Richter, kann in Kempten ein Viertel der Kleinkinder unter drei Jahren betreut werden. Weshalb Kempten 2013 (dann gibt es einen Rechtsanspruch auf Krippenplätze) deutlich weiter sein werde als andere: «Schon nach aktueller Planung werden wir dann 32 Prozent der Kinder versorgen können.» Das ist ein Prozent mehr als der bayernweit vorgeschriebene Wert.

Am 7. Februar geht es im Jugendhilfeausschuss um 46 neue Krippenplätze sowie weitere Ideen dazu.

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