Krieg nein, Bedrohung ja

Füssen | hs | Herrscht Krieg in Afghanistan? «Nein», sagt Oberstleutnant Ralph Malzahn ruhig: «Ein Krieg ist es in der Tat nicht.» Aber, so räumt er ein, es gebe eine «permanente Bedrohung». Ab Ende Oktober wird Malzahn mit 220 Soldaten seines Gebirgsaufklärungsbataillons 230 von Füssen nach Afghanistan verlegen. In ein Land, in dem sich die Anschläge auf die Internationale Schutztruppe (ISAF) häufen, und in dem fast 30 deutsche Soldaten gestorben sind. Man habe in den zurückliegenden Monaten alles getan, um die Soldaten auf die Situation vor Ort vorzubereiten, versichert der Kommandeur.

In wenigen Tagen brechen die ersten der Füssener Soldaten ins 5000 Kilometer entfernte Afghanistan auf. Sie werden zwischen vier und fünf Monate lang im Norden des Landes an drei Standorten eingesetzt - in Mazar-e-Sharif, Kunduz und Feyzabad. 50 weitere Angehörige des Bataillons sind derzeit im Kosovo.

In Afghanistan ist die Situation allerdings erheblich angespannter als auf dem Balkan: Dort häufen sich Selbstmordanschläge, Raketenangriffe und Sprengstoffattentate. Doch alle «sicherheitsrelevanten» Vorfälle, so Oberstleutnant Malzahn, spielen sich zu 98 Prozent nicht im Norden des Landes ab. Lediglich im Raum Kunduz - dort wird auch der Kommandeur sein - habe sich die Sicherheitslage verschärft.

Doch darauf habe sich das Gebirgsaufklärungsbataillon 230 vorbereitet: «Seit April bilden wir sehr zielgerichtet aus», sagt Malzahn, der heuer bereits zweimal in Afghanistan war, um den Einsatz vorzubereiten. «Wir haben die Soldaten über alle Gefahren ungeschönt informiert - und wie sie sich dagegen schützen können.» Zudem kann der Oberstleutnant auf die Erfahrung seiner Leute bauen: «Von den Berufssoldaten war zumindest die Hälfte schon im Auslandseinsatz.» Freilich: Anders als andere Einheiten müssen die Gebirgsaufklärer die vergleichsweise sicheren Lager verlassen, um ihren militärischen Auftrag zu erfüllen. «Damit bleibt es bei der Gefährdung», räumt Malzahn ein.

Für die Angehörigen zu Hause wird gesorgt: Die Familienbetreuung der Bundeswehr kümmert sich um sie. Darüber hinaus, so versichert der Oberstleutnant, stünden nach wie vor Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung: «Wenn eine Ehefrau, eine Freundin oder eine Mutter eine Frage hat, kann sie sich an das Bataillon oder die Kompanie wenden.» Denn auch während des Auslandseinsatzes bleiben Soldaten des Bataillons in Füssen: Sie kümmern sich um die Ausbildung neuer Rekruten und bereiten den nächsten Einsatz in Afghanistan vor: Im Jahr 2010 wird das Bataillon - verteilt auf drei Kontingente á vier Monate - für insgesamt ein Jahr im Norden des Landes sein.

Appell am Donnerstag

Am Donnerstag, 23. Oktober, werden die Soldaten verabschiedet. Nach dem Gottesdienst um 18 Uhr in St.Mang geht das Bataillon - begleitet vom Trommlerzug der Kaiser-Maximilian-Ritter - zum Kurhaus, wo der Appell mit Brigadegeneral Erich Pfeffer stattfindet. Oberstleutnant Malzahn lädt die Bevölkerung dazu herzlich ein.

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