Religion
Kreuzwege im Westallgäu: Reliefs bei der Sühnekirche in Wigratzbad

Christen nutzen die Fastenzeit für die Vorbereitung auf Ostern. Doch vor der Auferstehung stehen Leiden und Tod Jesu. In meist 14 Stationen stellen Bildnisse in katholischen Kirchen die Passion dar und laden Gläubige zu Meditation und Gebet ein. Verschiedene Kreuzwege in der Region sollen während der Fastenzeit hier vorgestellt werden.

Berührende Darstellungen zur Passion sind am Kreuzhügel bei der Sühnekirche in Wigratzbad zu finden. Es handelt sich um unbemalte Reliefschnitzereien, angebracht in 14 Steinstationen, dieam Kreuzhügel vor der Kirche aufgestellt sind.

Eng zusammengerückt

1966 wurde der Kreuzweg errichtet. Die Holztafeln hat Franz Albertani aus Bregenz geschnitzt. Sie sind in relativ kleinen Nischen untergebracht. Etwa 20 auf 40 Zentimeter messen sie. Bildhauer Albertani hat sich entschieden, die Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Meist füllen zwei oder drei Figuren, eng nebeneinander, die ganze Fläche. So entsteht der Eindruck von fast intimer Nähe.

Gewalt rückt in Hintergrund

Eine erstaunlich friedliche Grundstimmung hat der Künstler seinem Kreuzweg gegeben. Die Gewalt, die Brutalität, die die Passion Jesu beherrschen, rückt er in den Hintergrund. Auch den Tätern – Pilatus als Verurteilender, Soldaten und Schächern – verleiht er milde Gesichtszüge.

Bei diesem Weg scheint nicht das Leiden, sondern die Liebe das Wesentliche zu sein – selbst in den Szenen, die bitterste Momente beschreiben. Erstaunlich: Jedes Mal, wenn Jesus unter seiner Last zusammenbricht, steht hinter ihm ein Mann, der die Balken zu stützen scheint. Man könnte diese Schilderung der erschütternden Szene auch als Aufforderung an den Betrachter verstehen: Hilf, wenn einer strauchelt!

Die Begegnungen auf diesem Leidensweg sind intensiv: Die Hände Mariens und Jesu kreuzen sich, Mutter und Sohn blicken einander tief in die Augen. Und auch Veronika scheint den Gemarterten zu berühren, als sie ihm das Schweißtuch reicht. Beinahe zärtlich wirken die Gesten der dargestellten Menschen in der XIV. und XIII.

Station – sie ist hier nicht wie meistens mit dem Satz beschriftet: 'Jesus wird vom Kreuz abgenommen', sondern: 'Jesus wird in den Schoß Marias gelegt'.

Dem Gottessohn ganz nah

Der Kreuzweg vor der Sühnekirche Wigratzbad unterscheidet sich deutlich von vielen anderen Passionsdarstellungen. Hier geht Jesus seinen Weg nicht nur für die Menschen, er geht ihn auch mit den Menschen. Sie alle sind dem Gottessohn ganz nahe, und er ihnen – gerade im Leiden. Diese Deutung der Passion hat Bildhauer Franz Albertani als tröstliche Botschaft in seinen Reliefs formuliert.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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