Selbsthilfe
Krebspatienten gründen Gruppe im bayerischen und württembergischen Allgäu

Wenn sich Christiana Trommler auf der Straße mit jemandem unterhält, schauen Passanten meist schnell weg. Denn die meisten wollen mit Menschen, die ohne Kehlkopf nur mit einer elektronischen Sprechhilfe reden können, nichts zu tun haben.

Aus purer Angst, selbst an dieser Krebsart erkranken zu können. Wie man mit solchen Reaktionen klarkommen kann, ist eines von vielen Themen, die in der neu gegründeten Selbsthilfegruppe 'Freundeskreis und Förderverein für Krebserkrankte' diskutiert werden sollen.

'Kinder gehen mit uns viel natürlicher um. Sie fragen einfach, was das für ein Gerät ist', erklärt Otto Nusser, der nach der Entfernung seines krebsbefallenen Kehlkopfs im Mai 2010 ebenfalls auf die Stimmprothese angewiesen ist. Noch immer, so die Erfahrung der beiden Vorsitzenden des neuen Vereins, werde Kehlkopfkrebs mit Alkohol- und Nikotinmissbrauch in Verbindung gebracht, obwohl aller Wahrscheinlichkeit nach ein Gendefekt dazu führe.

Bei einem Aufenthalt in der Fachklinik für onkologische Rehabilitation, dem Parksanatorium Aulendorf, kamen Nusser und Trommler aus Altusried auf die Idee, eine Selbsthilfegruppe für den bayerisch-badenwürttembergischen Großraum Allgäu zu gründen. Denn zwar sei die medizinische Behandlung dieser Erkrankung sehr gut.

Doch nach der Operation fühlten sich die Patienten mit ihren Fragen und Problemen allein gelassen: 'Die Krankenschwestern und Ärzte müssen ihre Arbeit im Laufschritt erledigen, die haben einfach keine Zeit für solche Gespräche', zeigen Trommler und Nusser Verständnis.

Dabei gebe es so viele Themen, die nach der Diagnose Krebs und eventueller Operation wichtig würden. Dominant sei erst einmal die Existenzangst, bedrohlich die Frage, ob der Krebs schon weiter gestreut habe und man erneut erkranken könnte. Und was passiert, wenn jemand nicht mehr arbeitsfähig ist, welche Wege gelte es zu gehen, welche Papiere müssten besorgt werden, welche Vergünstigungen sind wie und wo zu bekommen?

Ein zweites Leben geschenkt

Auch an der eigenen Einstellung zur Operation und einhergehenden Beschränkungen könne gearbeitet werden, weiß Nusser: 'Wer zu der Erkenntnis gelangt, dass die Operation ihm ein zweites Leben geschenkt hat, der wird das Leben trotz Handicap wieder schön finden können.' Und natürlich seien auch die Familienangehörigen betroffen und bräuchten Unterstützung.

Die sollen sich Erkrankte und Angehörige gegenseitig im Selbsthilfeverein geben. 'Man braucht das Gefühl, trotz Einschränkungen wertvoll zu sein – da reicht es oft schon, einander in den Arm zu nehmen', bekräftigen Trommler und Nusser.

Mit zehn Euro Jahresbeitrag sei die Mitgliedschaft bewusst so günstig, dass der Verein sich daraus allein nicht finanzieren könne, sondern auf Spenden angewiesen sei.

Treffen sind an jedem zweiten Samstag im Monat im Gasthaus Jägerhäusle in Aulendorf. Kontaktaufnahme bei Otto Nusser unter Telefon 08373/8617.

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