Kempten / Oberallgäu
Krebs hebt das Leben aus den Angeln

Die Diagnose Krebs hebt das Leben aus den Angeln. Niemand wüsste das besser, als die Menschen, die täglich mit Krebskranken zu tun haben. Einhellig begrüßten denn auch Mediziner und Therapeuten des Klinikums Kempten-Oberallgäu und der Helios Schlossbergklinik Oberstaufen, dass voraussichtlich Anfang nächsten Jahres in Kempten eine ambulante Krebsberatungsstelle eröffnet wird.

Die Probleme, mit denen sich Krebskranke und ihre Angehörigen schlagartig konfrontiert sehen, sind vielschichtig, wissen die Experten: Die Diagnose kann Patienten in existenzielle Ängste stürzen, ihr ganzes soziales Umfeld ist mit betroffen, körperliche Veränderungen durch die medizinische Behandlung können zu schweren Identitäts- und Partnerschaftskrisen führen: «Brustkrebskranke Frauen etwa brauchen andere, mit denen sie über die körperliche Verletzung und Beschädigung ihrer Weiblichkeit sprechen können», erläuterte Edith Hersping, Leiterin der Selbsthilfegruppe Kempten-Brustkrebs.

Doch nicht nur die psychischen Belastungen kamen bei der Vorstellung des Projekts in Kempten zur Sprache. Auch die sozialen Folgen können massiv sein, angefangen von Berufsunfähigkeit mit niedrigerem Einkommen bis hin zu notwendigen Behördengängen und Anträgen, wie der klinische Sozialarbeiter der Schlossbergklinik, Michael Schüßler, erläuterte.

Bisher extrem unterversorgt

Träger der künftigen Krebsberatungsstelle, für die derzeit Räumlichkeiten gesucht werden, ist die Bayerische Krebsgesellschaft. Deren Geschäftsführer Markus Besseler betonte, dass das südliche Schwaben mit Beratungsangeboten für Krebskranke bisher extrem unterversorgt war, die einzige ambulante Einrichtung ist in Augsburg. «Bei 7000 Neuerkrankungen jährlich in Schwaben war das Defizit an Angeboten viel zu groß.

» In der Beratungsstelle sollen drei Fachkräfte mit insgesamt 90 Wochenstunden arbeiten.

Für das Klinikum Kempten-Oberallgäu bestätigten Dr. Udo Zimmermann, Leiter der Radioonkologie, und Dr. Otto Prümmer, Leiter der Inneren Medizin III, den Bedarf Krebskranker an Hilfen über die medizinische Behandlung hinaus. Für die Schlossbergklinik sagten Chefarzt Dr. Thomas Licht und Chefarzt Professor Gerhard Rauthe, dass durch bessere medizinische Möglichkeiten Krebserkrankte heute länger leben. Auch deshalb steige die Bedeutung von Beratungsangeboten.

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