Psychosoziale Beratung
Krebs-Diagnose: Hilfe für Kranke und Angehörige

Diagnose: Krebs. Statistisch gesehen wird nahezu jede Minute in Deutschland eine Krebserkrankung entdeckt. Die Tendenz ist steigend - wegen der besseren Früherkennungsmethoden und weil die Menschen immer älter werden. Wird die schwere Krankheit diagnostiziert, wirft das einen Betroffenen zumeist unvermittelt aus der Bahn. In Kempten hat die Bayerische Krebsgesellschaft jetzt eine Psychosoziale Krebsberatungsstelle eingerichtet - neben Augsburg die zweite in Schwaben. Das Beratungs- und Hilfsangebot richtet sich nicht nur an Erkrankte, sondern auch an Familienmitglieder oder Freunde von Betroffenen.

Familie und Freunde betroffen

«Eine Krebserkrankung betrifft nicht nur den Einzelnen, sondern ein ganzes System - beispielsweise die Familie und den Freundeskreis des Betroffenen», sagt Psychologin Katja Stadelmann von der Beratungsstelle in Kempten. Deshalb sei es wichtig, auch Angehörigen Hilfe anzubieten. Bei den Erkrankten sind beispielsweise Fragen nach der eigenen Schuld weit verbreitet. Genauso wie die Tabuisierung: Oft verschweigen Betroffene möglichst lang, dass sie an Krebs erkrankt sind. Insbesondere Darm- und Prostatakrebs werde aus einem Schamgefühl heraus oft lange verschwiegen, weiß die Psychologin: «Unsere Hauptaufgabe ist es, die Bewältigungsmöglichkeiten zu verbessern.» Die Krankheit bekämpfen könne sie natürlich nicht.

Weil eine Krebserkrankung häufig auch zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen führt, wird Betroffenen in der Beratungsstelle auch auf diesem Feld geholfen. Beispielsweise wenn ein Krebskranker seine Arbeitsstelle verliert. Häufig geht es auch um Informationen über Rehabilitation und Nachsorgeeinrichtungen. Derzeit betreue man 50 bis 70 Betroffene aus dem gesamten Allgäu, schildert Beratungsstellenleiter Dr. Michael Pindl.

Neben der individuellen Betreuung zu vereinbarten Terminen bietet die Einrichtung auch Gruppenangebote an wie Yoga und Meditation oder beispielsweise langsames Bergwandern für Menschen mit Krebs. In Kooperation mit der Bayerischen Krebsgesellschaft finden in der Reihe «Forum Krebs» regelmäßig medizinische Fachvorträge statt.

Laut Beratungstellen-Chef Pindl ist das Angebot bisher kostenlos. Um eine Spende werde aber gebeten, wenn ein Betroffener sich dies leisten könne. Die Stelle in Kempten ist zunächst auf drei Jahre befristet. Die Bayerische Krebsgesellschaft will erreichen, dass die psychosoziale Krebsberatung in Zukunft von den Kassen gezahlt wird.

im Internet:

Telefon: 0831/ 526227-0

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