Weicht
Kreativer Endspurt im Marathon-Format

Mit einem mehr als zwölfstündigen Abschlussfest bis weit nach Mitternacht erreichten die diesjährigen Kulturtage Weicht am Samstag ihren Höhepunkt. Nach einem eher ruhig verlaufenden Familien-Programm mit Geschichten erzählen, Schmuck kreieren, Malen und Puppentheater wurde es beim prallen Abendangebot noch einmal richtig voll im Hofhaus.

Intellektuellen Reiz und zugleich Sinnlich-Suggestives für Auge und Ohr bot die Gesangs-Video-Performance «No better, no worse, no change, no pain» von Manuela Hartel. Eingebettet in einen subtil anrührenden, unter die Haut gehenden Klangraum aus eigenen Texten und Tönen von betörender Dichte und Unmittelbarkeit, erzählte Hartel Geschichten von der eigenen Befindlichkeit und vom Gelingen und Scheitern von Beziehungen. Schweben, Fliegen, Wachsen, Himmel und Weite sind dabei Grundkonstanten, die die Sänger-Performerin immer wieder aufgriff im Spiel mit Stimmfarben, Mimik, Gestik, Licht, mit Raumtiefe und Schattenwirkung, nicht zuletzt mit der visuellen Multiplikation der eigenen Existenz auf der Leinwand, dem Zitat christlich-religiöser Motive, dem Weben ungewohnter Assoziationsnetze. Mit ihren Video-Alter-Egos interagierte die Künstlerin mit sparsamer, aber signifikanter Gestik und tänzerischen Aktionen.

Die häufige Reduktion auf die Nuancen der Schwarz-Weiß-Palette lässt Farben umso bedeutsamer, fast schreiend-opulent erscheinen. Eine Performance der Mehrschichtigkeit, die, zwischen Schönklang und Eindringlichkeit angesiedelt, die geheimen kollektiven Träume, Wünsche und Klischees anrührte und lange beim Zuhörer nachklang.

Nichts für sensible Gemüter

Ganz andersgeartet und nichts für allzu sensible Gemüter war anschließend die Live-Revue «Synonym für Freundschaft». Irgendwo angesiedelt zwischen Kindergarten-Märchen-Aufführung und epischem Theater, zwischen akustischem Autounfall und entlarvend debil-eingängigem Popgedudel unterzog die Truppe das Publikum einem erfrischend-verwirrenden Wechselbad aus blühendem, niveautechnisch gelegentlich im freien Fall nach unten befindlichen Blödsinn und genial scharfzüngigen Spitzen gegen Mainstream, Zeitgeist und verlogene Partnerschaftsmythen.

Ebenso ratloser wie begeisterter Beifall - beides zu Recht.

Wer danach kräftig abtanzen musste oder wollte, konnte dies zur Musik von «Zwoastoa». Keine lange Aufwärmphase war nötig, damit der Funke dieser süddeutschen Weltmusik übersprang. Wer jedoch die bisweilen frechen Texte der Dialektrocker zwischen Wirtschaftskrise, bayerischem Tango und «Lust am Leiden» verstehen wollte, stand wohl auch als Einheimischer infolge der Lautstärke zum Teil auf verlorenem Posten.

Initiator und Kurator Michael Schild zog eine erste positive Bilanz der diesjährigen Weichter Kulturtage. Besonders das Wetter sei «nur wenige Stunden untreu gewesen».

Bei der siebten Auflage habe außerdem jeder der Helfer und Mitarbeiter gewusst, «was organisatorisch zu tun ist». Inzwischen laufen die Veranstaltungen, so Schild, «rund und professionell». Die Ausstellungen seien zunehmend interaktiver geworden, für das nächste Jahr plane das Team eventuell eine Überarbeitung des Ausstellungskonzepts.

Lucia Buch

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