Oberstdorf
Kraftvolles von Carl Orff bis Meat Loaf

Gemeinsam sind sie stark: «The Ten Tenors», die zehn australischen Vokalisten, brachten mit ihrer Gesangsshow das durchweg gesetzte Publikum im Oberstdorf-Haus auf die Beine. Nach der dritten und letzten Zugabe «Nessun dorma» (Keiner schlafe) - jener Puccini-Arie, die dank des britischen Sängers Paul Potts wohl keinem Ohr mehr fremd ist.

Eine Gänsehaut, wie sie sich bei einem schmelzenden Tenor-Solo einstellen könnte, will bei der kraftvollen Chor-Interpretation der zehn «Tenors» nicht aufkommen. Aber die Sänger «packen» einen dennoch, mit ihrer mitreißenden Musikalität, ihrer lebendigen Performance - getreu dem Tournee-Motto «The Power of Ten».

Furios ist der Auftakt mit farbigem Blitzspektakel: Die leise Furcht so manchen Besuchers vor einem grellen «Disco»-Abend erwies sich aber als unbegründet. Die Lichtgestaltung auf und an der schwarzen Bühne aus zahlreichen Scheinwerfern und Orgeln blieb dezent. Ebenso wie die ruhige Choreographie, die das Ensemble - schlicht im schwarzen Anzug mit weißem Hemd und blauem Einstecktuch - auch dank der drei breiten Treppen in immer neuen Formationen präsentierte.

So wurde die Aufmerksamkeit auf das musikalische Dezett gelenkt, das mit einem breiten Repertoire aufwartete: Opernarien, etwa aus Leoncavallos «Bajazzo», sind ebenso zu hören wie das dynamische «O Fortuna» aus den «Carmina Burana» von Orff, aber auch Popsongs wie die unvergleichliche «Bohemian Rhapsody» von «Queen» oder «Id do anything for love» des US-Rocksängers Meat Loaf.

Im schwarzen Hintergrund agiert das Begleittrio mit Piano, Bass und Schlagzeug. Es ist wie das sauber eingespielte «Konservenorchester» immer dabei, wenn die zehn jungen Männer ihre Stimmen erheben. Schon deshalb ist ein Vergleich mit den legendären «Comedian Harmonists», wie er bisweilen gezogen wird, nicht möglich.

A-Cappella-Gesang ist bis auf wenige Ausnahmen nicht vorgesehen. Leichte Unsicherheiten sind dann auch nicht zu überhören, ebenso wie bei den Soloeinlagen, vor allem im ersten Teil des Abends. Nach der Pause haben sich die Tenöre offensichtlich «eingesungen», und es gelingen zeitweise - vor allem im italienischen Opernfach - beeindruckende Passagen.

Doch der instrumental unterstützte Chorgesang steht im Vordergrund, und der ist trotz der gleichen Stimmlage durchaus faszinierend. Denn die Sänger decken eine erstaunliche Bandbreite vom Alt bis zum Bass ab, schaffen damit in der Mehrstimmigkeit ein überaus farbiges Klangbild.

Damit die ganze Sache nicht zu ernst wird, würzen die Tenöre das Musikerlebnis mit witzigen Ansagen auf Englisch, durchsetzt mit deutschen Sprachsprengseln. Die Zuhörer sind auf ihrer Seite, lachen entzückt über die Späßle und singen - auf Kommando - bereitwillig mit: «Oh yeah baby, youre so sexy».

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