Füssen
Konzentriert und in sich versunken

Gespannt warteten die Besucher im voll besetzten Fürstensaal auf Alexander Schimpf, den diesjährigen Gewinner des internationalen Beethoven-Klavierwettbewerbs in Wien. Konzentriert und in sich versunken setzte sich der 28-jährige Künstler an den Flügel und bot anschließend mit seinem ausgesuchten Programm ein Hörerlebnis höchster Intensität. Fern von äußerlichen Effekten war er bestrebt, die in den Werken enthaltenen kostbaren musikalischen Gedanken herauszuschälen und in ihrer farbigen Klangwelt voll zur Geltung zu bringen. Kein leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass die ausgewählten Sonaten Beethovens und Schuberts Gipfelwanderungen musikalischer Expressivität sind.

Dialog mit dem Instrument

In der A-Dur Sonate Beethovens hörten die Besucher bei der meisterhaften Interpretation den Dialog zwischen dem tauben Komponisten und dem Instrument heraus. Es waren singende, fast träumerisch verklärte Liedgedanken. Auch beim wirkungsvollen Marschrhythmus kam im Hintergrund immer wieder die lyrische Grundform zum Tragen. Bei den markanten, humorvoll bewegten virtuosen Sechzehntelläufen des letzten Satzes wurde Schimpfs ausgefeilte Technik deutlich hörbar. Seine Kunst lag aber auch in der differenzierten, behutsamen Anschlagskultur, mit der die Töne, die Akkorde und melodischen Linien behandelt wurden. Dies konnte man beim Vortrag von «Le jeu des contraires» des französischen Komponisten Henri Dutilleux besonders heraushören.

Magische Erzählkraft

Es waren aufwühlende, aber auch schwebende, ins Mythische verlagerte gegensätzliche Elemente in spiegelähnlichen Prozessen, die in ihrer Erzählkraft magisch wirkten und mit bewussten Pausen und Pedaleinsätzen für nachhaltigen Eindruck sorgten. Mal feinsinnig, dann wieder orchestral erklang der Zauber der spanischen Impression bei «Almeria» von Isaac Albeniz. Ein absoluter Höhepunkt war nach der Pause die Darbietung der Klaviersonate in B-Dur von Franz Schubert. Schon im ersten Satz betörten die im dosierten Anschlag erklingenden bald wehmütigen, bald lebendigen Melodien. Zum gebannten Lauschen verleitete das tröstliche Andante mit seiner pochenden Begleitung. Wer es wollte, konnte behände Elfenmusik im Scherzo heraushören.

Ein Rankenwerk von wechselnden Themen und donnernden Akkorden erschloss Schimpf äußerst spielfreudig und sehr transparent im letzten Satz, um dann im heftigen Presto kurz und bündig zum Ende zu kommen.

Begeisterter Beifall

Eine Zugabe wäre bei einem solch imposanten Schluss eher störend gewesen. Deshalb blieb es beim begeisterten Beifall, der den Künstler mehrfach auf die Bühne holte.

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