Kempten
Komponist umarmt freudestrahlend die Musiker

In Gesichtern von Menschen lässt sich vieles ablesen. Ob sie zuversichtlich sind, zweifelnd, gut gelaunt oder ein bisschen aufgeregt. Dr. Franz Tröger, Motor der 4. Fürstensaal-Classix, konnte einen Schuss an Nervosität nicht verbergen, Minuten vor dem Start zu diesem Internationalen Kammermusik-Festival.

Und auch der künstlerische Leiter Oliver Triendl wirkte angespannt, als er zur Eröffnung dieser Konzertreihe schritt - als Pianist zusammen mit Raphaël Oleg (Violine). Wie würde das Ergebnis der dreitägigen Proben mit dem Musiker-Kollegen ausfallen?

Nach Johann Sebastians Bachs Chaconne aus der Partita d-Moll (BWV 1004) für Violine solo (mit Klavierbegleitung von Felix Mendelssohn Bartholdy) war Triendl schlauer - und sichtlich erleichtert. Gut aufeinander abgestimmt, impulsiv in den virtuosen Passagen, ähnlich fühlend an den besonders empfindsamen Stellen: Den Beiden gelang ein eindrucksvoller Festival-Einstieg im Fürstensaal.

Immerhin: Diese Konzertreihe verdankt ja ihre Exklusivität der Tatsache, dass hier Musiker zusammen kommen, die in dieser Zusammensetzung zuvor nie gespielt haben. Geschweige denn das Stück, das präsentiert wird. Eine spannende Angelegenheit, mit wenig kalkulierbarem Ausgang.

So war auch nicht vorhersehbar, wie fulminant und intensiv Liza Ferschtman, Daniel Gaede (beide Violine), Hariolf Schlichtig (Viola) und Peter Bruns (Violoncello) letztlich Ragnar Söderlinds Streichquartett Nr. 2 op. 71 interpretieren würden. Ein modernes Werk aus dem Jahre 1997, welches das Publikum bis zum Ende fesselte und enthusiastisch applaudieren ließ.

Er komponiere nicht nur für sich alleine, hat der Norweger Söderlind, heuer Composer-in-residence in Kempten, einmal sinngemäß erklärt, sondern suche die Kommunikation mit seinen Zuhörern. Was wohl letztlich dazu führt, dass seine Arbeiten weitgehend tonal sind. Mit dem zweiten Streichquartett ist ihm ein Werk gelungen, das dramatisch und lyrisch zugleich ist, das oft inhaltsschwer wirkt, dann aber wieder luftig und fast tänzerisch leicht. Und das vor allem eines schafft: Die Konzentration des Zuhörers bis zum letzten Satz, dem Allegro drammatico, aufrechtzuerhalten.

Das Stück ist das eine, die Interpretation das andere. Vielleicht macht Ragnar Söderlinds Geste während des Schlussapplauses am besten deutlich, was die Musiker an diesem Abend geleistet hatten: Er erklomm die Bühne und bedankte sich bei jedem einzelnen persönlich mit herzlicher Umarmung. In der Tat kommt es nicht alle Tage vor, dass ein Ensemble mit derart großer Leidenschaft und musikalischer Frische ans Werk geht. Ein Glanzlicht an diesem Abend, an dem noch Dag Wirens Quartett op. 31 sowie Mendelssohn Bartholdys fesselndes Sextett D-Dur op. 110 erklangen.

Das nächste Konzert der Classix-Reihe findet am heutigen Freitag, 18. September (20 Uhr) statt.

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