Festival
Komponist László Tihanyi bei Classix zu Gast im Kemptener Stadttheater

So etwas sieht man selten im Konzertsaal: Da stellen sich nicht einfach vier Kammermusiker vor den Flügel und spielen ein Klavierquintett. Vielmehr umwandern die beiden Violinisten und der Bratschist im Laufe der Aufführung den Flügel. Zu erleben ist das am Samstag bei der Uraufführung des Stückes mit dem bezeichnenden Titel 'Rundherum' im Kemptener Stadttheater. Geschrieben hat es der ungarische Komponist László Tihanyi im Auftrag des Kemptener Kammermusikfestivals 'Classix'.

Er vollendete das Werk vor wenigen Wochen, in diesen Tagen studieren es fünf der 24 Classix-Musiker ein. Tihanyi wird zuhören und den einen oder anderen Rat geben, wie es klingen soll.

Der 56-jährige Komponist, Dirigent und Musikprofessor ist eine Woche lang zu Gast in Kempten – als Composer-in Residence. Neben der Uraufführung werden in den Konzerten weitere Werke von ihm zu hören sein.

Tihanyi, der in Budapest lebt, gehört zu den vielbeschäftigten Komponisten seines Landes. In 30 Jahren hat er rund 60 Stücke geschrieben – Kammermusik, Orchesterwerke, eine Oper. Er bezeichnet sich als Lyriker – und möchte sich damit abgrenzen von ungarischen Romantikern, zu denen er etwa György Kurtág zählt. Die Gefühlsextreme liegen ihm nicht so, sagt Tihanyi. Form und Struktur seien ihm wichtig.

Und der Klang. Deshalb experimentiert er auch gern mit der Akustik von Konzertsälen. Platziert die Musiker an verschiedenen Stellen des Raumes, um die Zuhörer zu überraschen. Auch beim neuesten Werk 'Rundherum' spielt er mit den Erwartungen des Publikums, ironisiert Konventionen. Zugleich, so sagt Tihanyi, möchte er den Vortragenden eine zeitweise Intimität verschaffen, wenn sie hinter dem Klavier spielen statt davor.

Der berühmte Béla Bartók (1881–1945), der einerseits die ungarische Musik modernisierte und sich andererseits von bäuerlicher Musik inspirieren ließ, ist nur eingeschränkt ein Vorbild für den polyglotten Städter Tihanyi. Der hält sich lieber an Musik sehr alter Prägung aus der Zeit zwischen 1350 und 1450 oder der Wende vom 19.

zum 20. Jahrhundert. Am besten gefällt ihm jedoch das, was Olivier Messiaen (1908–1992) schrieb. 'Die spezielle Kombination von Melodie, Harmonie und Rhythmik fasziniert mich.'

Das erste Konzert des Classix-Festivals findet am heutigen Mittwoch statt. Um 19 Uhr gibt es einen Prolog, um 20 Uhr startet das Hauptkonzert. Zu hören sind etliche Kammermusikwerke ungarischer Komponisten.

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