Kempten
Komasaufen: Reichen die Gesetze aus?

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Ein Mädchen, das sich aufgrund einer verlorenen Wette in die Bewusstlosigkeit trinkt. Eine 15-Jährige, die mit einem Schädelbasisbruch aus dem Koma erwacht, in das sie sich zuvor getrunken hatte. Oder - wie an diesem Wochenende - ein 13-Jähriger, der sich 1,8 Promille ansäuft und dann losprügelt. Für Michael Keck, Chef der Polizeiinspektion, und Dr. Oliver Götz, Oberarzt der Kinderstation am Klinikum, gehören solche Fälle zum Wochenend-Alltag.

Doch wie können Eltern, Organisationen, Behörden und die Politik darauf reagieren? Im Rahmen der Reihe «Montags bei Müller» des parlamentarischen Staatssekretärs und MdB Dr. Gerd Müller wurde das diskutiert - mit Götz, Keck, Ulrike von le Suire, Vorsitzende der Stiftung Hoffnung für Kinder, Stadtjugendring-Geschäftsführer Alexander Haag, Jugendamtsleiter Matthias Haugg und Hans Schmid, Festwirt der Festwoche.

«Die Gesetze sind da, doch es gibt Vollzugsprobleme», betonte Müller. Freilich seien die Eltern in der Pflicht, doch die Behörden müssten kontrollieren und ihre Möglichkeiten auch nutzen. So ist Müller dafür, dass Jugendliche, die wegen Alkohol oder Drogen auffallen, ihren Führerschein erst mit 20 Jahren machen dürfen. Die rechtliche Grundlage dafür gebe es, doch wie Matthias Haugg bestätigte, werde sie vom Jugendamt vor Ort nicht angewandt.

Auch Haugg sprach von einem Vollzugsproblem, betonte aber, dass eine flächendeckende Kontrolle unmöglich sei. Ein neuer Ansatz sei heuer die Festwochenverordnung. Wie berichtet schreibt sie vor, dass Jugendliche unter 16 Jahren auf dem Gelände keinen Alkohol trinken dürfen. Wer verstößt, muss zahlen.

Diese Regelung findet Festwirt Hans Schmid gut. Er lasse vor dem Zelt Alterskontrollen durchführen und die Bedienungen unterschreiben, dass sie betrunkenen Jugendlichen nichts ausschenken. «Mehr können wir Wirte aber nicht tun.» Den Gastronomen werde oft zu Unrecht der Schwarze Peter zugeschoben: «Oft glühen die Jugendlichen vor und werden dann volltrunken vor einem Lokal aufgegriffen.» Das sei dann nicht die Schuld des Wirts.

«Die Wirte sind nicht das Problem», bestätigte Michael Keck. Auch Kontrollen an Tankstellen hätten gezeigt, dass Jugendliche Alkohol meist nicht von dort beziehen. «Ganz schlimm sind die Stellvertreterkäufe», betonte Keck - also ältere Jugendliche kaufen für Jüngere ein.

Persönlichkeit stärken

«Die Polizei tut, was sie kann. Aber in der Folge gibt es kaum Konsequenzen», verdeutlichte Alexander Haag. Wichtig sei es vor allem, präventiv tätig zu sein und Jugendliche zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu erziehen. Haag: «Dazu muss man die Persönlichkeit der jungen Leute stärken und Eltern und Schulen in die Pflicht nehmen. Diesen Ansatz hatte auch Ulrike von le Suire, die an Schulen präventiv tätig ist. Zudem plädierte sie dafür, dass Alkohol teurer wird.

Dr. Oliver Götz kritisierte, dass Erwachsene durch ihr Verhalten als Vorbilder «oft versagen». Zur Prävention müssten «die neuen Vorbilder» herangezogen werden - Fußballtrainer oder Vorsitzende von Vereinen.

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