Kaufbeuren
«Koki» soll Kinder schützen

Fast jeden Tag vermelden die Medien erschütternde Fälle von misshandelten Babys oder Kindern. Täter sind oft Mütter oder Väter. Viele von ihnen sind mit der Erziehung überfordert. «Auch in Kaufbeuren gibt es immer wieder Fälle, in denen wir Kinder aus den Familien nehmen müssen, weil es Hinweise auf Misshandlungen gibt», erläutert Alfred Riermeier, Leiter der Abteilung Kinder, Jugend und Familie im Rathaus. «Am besten ist es, wenn wir nicht Feuerwehr spielen müssen, sondern schlimme Fälle vermeiden können.» Ein Schritt in diese Richtung ist der Aufbau der «Koordinierenden Kinderschutzstelle», kurz Koki, die im September ihren Betrieb aufnehmen soll. Das Konzept (siehe Infokasten) stellten Riermeier und sein Kollege Werner Maurer jüngst im Jugendhilfeausschuss der Stadt vor. Kaufbeuren setzt dabei einen Beschluss des bayerischen Ministerrates vom Februar 2008 um. Deshalb gibt es auch Geld vom Freistaat: 16500 Euro pro Jahr und Vollzeitstelle fließen von München nach Kaufbeuren.

Für die Stelle ist die Sozialpädagogin Cornelia Wagner vorgesehen, die früher schon Gleichstellungsbeauftragte im Rathaus gewesen ist. Riermeier bezeichnete sie wegen ihrer Erfahrung als «Idealbesetzung». Der Gesetzgeber schreibe auch vor, dass die Koki-Mitarbeiter genügend Berufserfahrung haben müssten.

«Das Angebot soll bewusst niederschwellig sein»

Zielgruppe des Angebotes sind sozial benachteiligte Familien sowie jene mit kleinen Kindern. Noch sei nicht ganz klar, wo die Kokistelle räumlich angesiedelt wird. «Das Angebot soll bewusst niederschwellig sein, weshalb es nicht in den Jugendämtern untergebracht werden darf», so Riermeier.

Also: Wer Hilfe sucht oder einen Hinweis geben will, kann soll ein unkompliziertes Gespräch abseits einer Amtsstube finden. Laut Riermeier ist die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes in der Heinzelmannstraße als Standort im Gespräch. Die genauen Kontaktdaten werden laut Riermeier noch bekannt gegeben, wenn das Büro eröffnet.

Im Jugendhilfeausschuss wurde das neue Angebot mit großem Interesse zur Kenntnis genommen. Wie Riermeier mitteilte, gebe es zum Beispiel schon entsprechenden Kontakt mit dem Sprecher der Kinderärzte, Dr. Reschke, wobei Bereitschaft zur Teilnahme signalisiert wurde. Ausschussmitglied Ralf Trinkwalder verwies auf die Schweigepflicht, die beachtet werden müsse. Es handle sich schließlich um sensible Daten, die dann in dem großen, entstehenden Netzwerk kursieren könnten.

Auftaktveranstaltung im Oktober vorgesehen

Eine große Aufgabe der Kokistelle sei letztlich, bildungsferne Eltern von den Angeboten zur Vorbeugung zu überzeugen, sie überhaupt zu erreichen, so Riermeier. Die meisten Angebote - wie zum Beispiel Hausbesuchsprogramme - haben freiwilligen Charakter. Anders als etwa die Auszahlung des Landeserziehungsgeldes, das der Gesetzgeber inzwischen an den Nachweis kinderärztlicher Untersuchungen gekoppelt hat (U6 und U7). Riermeier ergänzte, dass es im Oktober eine Auftaktveranstaltung geben soll, womit Koki der Bevölkerung nahe gebracht werden wird.

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