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Kokainprozess in Kempten: erster Prozesstag ist zu Ende

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Der erste Prozesstag gegen den ehemaligen Kemptener Chef-Drogenfahnder Armin N. ist zu Ende. Am Montag haben ein Zeuge und drei Sachverständige ausgesagt. Lesen Sie hier die Berichterstattung aus dem Gerichtssaal.

Bei dem Ex-Polizisten aus Moosbach bei Kempten wurden im vergangenen Jahr 1,8 Kilogramm Kokain gefunden. Angeklagt ist Armin N. unter anderem wegen Drogenbesitzes, gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung. Für den Prozess hat das Kemptener Landgericht ursprünglich fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Gericht hat aber im Laufe des ersten Prozesstages die Verhandlung auf drei Tage reduziert.

Mehr Informationen zum Fall finden Sie in unserem Dossier "Kokainfund bei Drogenfahnder".

15.35 Uhr: Der erste Prozesstag ist abgeschlossen

Der erste Prozesstag im Fall Armin N. ist um 15:35 zu Ende gegangen. Weiter geht es am 6. Februar um 9 Uhr.

15.20 Uhr: Sachverständiger sagt zu den Verletzungen von Armin N.'s Frau aus

Ein Sachverständiger erklärt, welche Verletzungen er bei der Frau von Armin N. festgestellt hatte. Währenddessen sitzt der Angeklagte regungslos auf der Anklagebank, die Arme fest vor der Brust verschränkt.

Der Saal wird unterdessen immer leerer. Nur noch etwa die Hälfte der Plätze sind besetzt.

15.05 Uhr: Die Öffentlichkeit wird während der Aussage zur Vergewaltigung des Saales verwiesen

Nun wird der zweite Ermittlungsrichter vernommen. Es ist das selbe Prozedere wie bei der vorherigen Zeugenaussagen - die Öffentlichkeit wird bei der Aussage zur Vergewaltigung aus dem Saal verwiesen.

14.20 Uhr: Armin N. soll ausgesagt haben, er hätte das Kokain aus der Asservatenkammer bekommen

Die Befragung der Ermittlungsrichterin geht weiter, die Öffentlichkeit durfte wieder in den Saal. In der Beschuldigten-Vernehmung soll der Angeklagte Armin N. geäußert haben, er hätte das Kokain aus der Asservatenkammer bekommen.

Der Gerichtssaal ist inzwischen etwas leerer geworden. Sowohl Pressevertreter, aber auch einige Besucher haben den Saal mittlerweile verlassen. Heute Morgen musste die Polizei noch etwa 30 Besucher aus Platzgründen abweisen.

14.00 Uhr: Ermittlungsrichterin sagt für Armin N.'s Ehefrau aus

Zur Zeit wird die Ermittlungsrichterin vernommen, die die Frau von Armin N. im Februar letzten Jahres vernommen hatte. "Sie hat Angst gehabt", sagt die Richterin. Der ehemalige Leiter der Kemptener Drogenfahndung hätte angedroht, "ein Blutbad anzurichten". Während der Zeugenaussage sitzt Armin N. beinahe regungslos auf der Anklagebank, blickt skeptisch in Richtung der Zeugin oder auf den Boden. Für die Aussage der Richterin über den Tatvorwurf der mutmaßlichen Vergewaltigung wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

13.10 Uhr: die Mittagspause ist vorbei

Mit etwa zehn Minuten Verspätung beginnt der zweite Teil des heutigen Prozesstages. Armin N. wird mithilfe einer Handschelle in den Gerichtssaal geführt. Er wirkt noch immer sehr gefasst und lässt seinen Blick durch den Gerichtssaal schweifen.

Der Prozess geht weiter mit der Befragung zweier Ermittlungsrichter, die über die Aussagen von Armin N.'s Ehefrau aussagen sollen. Zwischenstand nach zweistündiger Verhandlung am Vormittag: Der 53-jährige Angeschuldigte hat die Vorwürfe weitgehend eingeräumt und bedauert sein Fehlverhalten "zutiefst"- das gilt sowohl für den Kokainbesitz als auch die massive körperliche Gewalt und die Vergewaltigung seiner Ehefrau.

Vertiefende Aussagen zur Herkunft des Kokains will Armin N. auch im weiteren Verlauf der Verhandlung nicht geben. Er sagt lediglich wie zuvor bei seinen Vernehmungen, dass er das Rauschgift vor etlichen Jahren von einem Staatsanwalt zu Schulungszwecken überlassen bekommen habe. Die Staatsanwaltschaft München I wertet dies als Geständnis - Voraussetzung für eine Reduzierung des Strafmaßes auf sechseinhalb bis maximal sieben Jahre.

12.45 Uhr: Pause für das Gericht, Arbeit für die Journalisten

Im eigens eingerichteten Presseraum schreiben und schneiden etwa zehn Kollegen verschiedener Medienanstalten an ihren Beiträgen. Der Prozess soll um 13 Uhr fortgesetzt werden.

11.25 Uhr: Zwei Prozesstage weniger

Der Prozess wird um 13 Uhr mit der Vernehmung von zwei Ermittlungsrichtern fortgesetzt. Sie hatten die Ehefrau von Armin N. nach den Tätlichkeiten und der Vergewaltigung ihres Mannes vernommen. Die Strafprozessordnung sieht vor, dass das Gericht die beiden Richter befragen darf, obwohl die Ehefrau von Armin N. von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch macht. Dieses Recht schließt normalerweise auch Angaben von Dritten aus, die über die Aussagen der Ehefrau informiert sind. Dies gilt aber nicht für Richter.

Zudem werden heute Nachmittag ein psychiatrischer Gutachter über die Untersuchung von Armin N. sowie ein Chemiker des Landeskriminalamtes zur Konsistenz des gefundenen Kokains aussagen.

Nach dem jetzigen Stand der Beweisaufnahme fallen zwei Prozesstage weg. Weitere Termine sind der 6. und 9. Februar.

11.15 Uhr: Prozess bis 13 Uhr unterbrochen

Die nächsten Zeugen kommen erst um 13 Uhr. Bis dahin wird der Prozess unterbrochen. Der Richter ruft einen Prozessbesucher zu sich. Er hatte 37 Minuten lang Tonaufnahmen des Prozesses angefertigt. Sein Handy wurde beschlagnahmt, der Zuhörer wurde für den kompletten Prozess ausgeschlossen. Die Anwälte von Armin N. stellen einen Strafantrag.

11.00 Uhr: Ehefrau wird nicht aussagen

Armin N. wartet auf der Anklagebank mit verschränkten Armen und sichtlich gefasst auf das Erscheinen der Richter. Sein Blick geht meist stur geradeaus, nur ab und zu mustert er Pressevertreter und Zuhörer.

Die Ehefrau des Drogenfahnders wird von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. Denn ihre Aussage könnte sie selbst belasten, etwa im Umgang mit dem Kokain, das Armin N. konsumierte.

10.30 Uhr: Angeklagter konsumierte seit 1994 Kokain

Armin N. erklärt sich: Er will die volle Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Er würde die Schwere seiner Fehler nun einsehen. Im Laufe seiner Zeit bei der Drogenfahndung wurde er süchtig nach Kokain. Seit 1994 konsumierte er sporadisch, ab 2007 steigerte sich sein Konsum.

Laut seiner Aussage seien ihm alle konsumierten Drogen über mehrere Jahre von der Staatsanwaltschaft Kempten für Schulungszwecke zur Verfügung gestellt worden. Er habe keine Kontakte zur Mafia. Das Gericht zieht sich etwa 15 Minuten zur Beratung zurück.

10.20 Uhr: Der Prozess wird fortgesetzt

Unruhe im Gerichtssaal "lächerlich" ruft ein Besucher. Das Gericht hat soeben verkündet, dass es eine Verständigung mit dem Strafrahmen zwischen sechs Jahren und sechs Monaten und sieben Jahren in Erwägung zieht.

10.00 Uhr: 35.000 Euro für Frau von Armin N.

Das Gericht berät sich noch immer unter Ausschluss von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Armin N. hat im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs vor kurzem 35.000 Euro an seine Frau bezahlt. Damit sind Ansprüche wie Schmerzensgeld rückwirkend bis abgegolten, auch die Kosten für die Nebenkläger bezahlt der frühere Drogenfahnder.

Zentrale Frage weiterhin: woher genau stammt das Kokain. Hier verspricht der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Peter Preuß, dass dieser Aspekt im Verfahren noch Thema sein soll. Frage allerdings: Ist das angesichts der Verständigung in der nötigen Tiefe möglich?

Der Prozess geht jede Minute weiter, der Angeklagte ist mit Handschellen an der Hand zurück auf die Anklagebank gebracht worden und bespricht sich mit seinen Anwälten.

Etwas Positives hat der Prozess in Kempten für die Bäckerei gegenüber vom Landgericht. Polizisten, Prozessbesucher und natürlich auch Journalisten decken sich den Tag über dort mit Verpflegung ein. "Ja, ein bisschen mehr haben wir heute schon verkauft", sagt eine Verkäuferin mit einem Augenzwinkern.

09.50 Uhr: Heftige Diskussionen der Zuhörer im Gerichtsflur

"Sauerei, abgekartetes Spiel, bloß weil er Polizist ist, kommt er so weg." so eine Prozessbesucherin. Armin N. ist nicht bereit, über die Angaben im Rahmen der Ermittlungen hinaus die Herkunft des Kokains preiszugeben.

Zur körperlichen Gewalt gegenüber seiner Frau erklärt sein Anwalt Seitz, er habe Erinnerungslücken, widerspreche den Schilderungen seiner Frau aber nicht. im Verfahren selbst hat sich Armin N. bislang nicht beteiligt. Ruhig und ohne erkennbare Emotionen verfolgt er die Verhandlung.

09.40 Uhr: Armin N. erinnert sich nicht an Tatnacht

Rechtsanwalt Wilhelm Seitz erklärt, sein Mandant Armin N. sei an der Aufklärung des Falles interessiert. Allerdings will sich der Angeklagte nicht an die Geschehnisse vom 14.02. erinnern können. Zwischen dem ehemaligen Chef der Kemptener Drogenfahndung und seiner Frau fand vor wenigen Tagen bereits ein Täter- Opfer - Ausgleich statt. Armin N. hat seine Tätlichkeiten gegenüber seiner Frau schriftlich "zutiefst und aufrichtig bedauert".

Die Sitzung ist für etwa 40 Minuten unterbrochen. Bereits in ersten 30 Minuten gibt es Anzeichen für eine Verständigung zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Denkbarer Strafkorridor: 6 Jahre und 6 Monate.

09.15 Uhr: Oberstaatsanwalt Günther Haug der Staatsanwaltschaft 1 in München verliest die Anklageschrift

Bei der Verlesung der Anklageschrift blickt der Angeklagte Armin N. ruhig zum Staatsanwalt. Zwischendurch schüttelt er immer wieder mit versteinerter Miene den Kopf. Laut Staatsanwaltschaft soll Armin N. mehrmals gedroht haben, seine Ehefrau umzubringen.

09.05 Uhr: Der Prozess beginnt

Es geht los - Armin N. ist da! Er wurde von mehreren Polizeibeamten in den Gerichtssaal geführt. Der Angeklagte verzieht keine Miene, schaut stoisch in die Kameras, wirkt extrem ruhig und gelassen.

08.55 Uhr: Unklar ob Armin N. eine Erklärung abgeben wird

Der Anwalt von Armin N. lässt auf Nachfrage der Allgäuer Zeitung offen, ob sein Mandant zum Prozessauftakt eine Erklärung zu den Anschuldigungen abgeben wird. Er bestätigt aber, dass sein Mandant an der Aufklärung der Vorwürfe bei den bisherigen Ermittlungen mitgewirkt hat.

Sicher scheint, dass die Ehefrau des Angeschuldigten nicht aussagen wird. Stattdessen wird möglicherweise die Ermittlungsrichterin, die die anfänglichen Vernehmungen geleitet hat, aussagen.

Entscheidende Frage nun: Wird die Öffentlichkeit bei der Verlesung der Anklageschrift vorübergehend ausgeschlossen? Die Spannung steigt, nur noch wenige Minuten bis zum Prozessbeginn

08.45 Uhr: Noch 15 Minuten bis zum Auftakt

Großer Presseandrang im Sitzungssaal 169. Zahlreiche Presseteams warten darauf, dass der Angeklagte in den Saal geführt wird. Noch eine Viertelstunde bis zum Prozessauftakt.

08.30 Uhr: Keine Sonderbehandlung für Armin N.

Peter Preuß, Sprecher der Staatsanwaltschaft München I , kündigt kurz vor Prozessbeginn im Landgericht an, dass der Sachverhalt ohne Ansehen der Person aufgeklärt werde. Keine andere Behandlung für Hochrangigen Beamten.

07.45 Uhr: Besucherandrang vor dem Gericht

Vor dem Gericht stehen 30-40 Besucher an. Es werden von Minute zu Minute mehr. Eine Frau wartet seit 6 Uhr vor dem Eingang. "Man muss einfach mal einen so großen Prozess verfolgen."

Auch viele Medienvertreter kommen nun am Gericht an. Knapp über 90 Plätze stehen im Zuhörerraum zur Verfügung, 40 davon sind für Journalisten reserviert. 50 Plätze gibt es für interessierte Bürger.

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