Freiheitsstrafe
Kokain-Prozess vor Landgericht Kempten: Urteil gegen ehemaligen Chef-Drogenfander rechtskräftig

Das Urteil gegen den früheren Leiter der Allgäuer Drogenfahndung wegen Kokainbesitzes und Vergewaltigung ist rechtskräftig. Doch eine Frage bleibt auch weiterhin offen. Der frühere Chef der Allgäuer Drogenfahndung war vergangene Woche zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Außerdem muss der frühere Kommissariatsleiter sich wegen seiner Drogen- und Alkoholsucht lang in einer Entziehungsanstalt behandeln lassen.

Das Urteil wurde jetzt rechtskräftig, weil keiner der Verfahrensbeteiligten gegen den Richterspruch Rechtsmittel eingelegt hatte, teilte ein Sprecher des Landgerichts Kempten am Dienstag nach Ablauf der Frist mit. Bereits am ersten Prozesstag Ende Januar hatten sich Kammer, Verteidigung und die ermittelnde Staatsanwaltschaft München I im Fall eines Geständnisses auf eine Freiheitsstrafe von höchstens sieben Jahren geeinigt.

An seine Ehefrau hatte der Polizeibeamte Armin N. im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs bereits 35.000 Euro als Schmerzensgeld bezahlt – dies war eine weitere Voraussetzung für den 'Deal', den der Augsburger Strafrechts-Professor Johannes Kaspar als übliches Vorgehen vor Gericht einordnet.

Die Große Strafkammer des Kemptener Landgerichts sah es als erwiesen an, dass der 53-jährige Ermittler seine Frau Anfang 2014 vergewaltigt und mehrfach misshandelt hatte. Nach einem heftigen Streit hatte er der 49-Jährigen laut deren Schilderung gedroht, sie im gemeinsamen Schlafzimmer mit einem bereitliegenden Küchenmesser zu töten, ehe er von ihr abließ und mit 1,49 Promille Alkohol im Blut davonfuhr.

Der hochrangige Beamte, der seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, räumte die Vorwürfe vor Gericht ein, verwies bei den Details aber auf Erinnerungslücken. Zugleich räumte er ein, als Privatmann über Jahre hinweg harte Drogen sowie Alkohol und Psychopharmaka konsumiert zu haben. Nur so seien die Verfehlungen zu erklären. Ungeklärt blieb in dem Prozess die exakte Herkunft der Drogen. Armin N. hatte sie nach seiner Schilderung von der Staatsanwaltschaft Kempten zu Schulungszwecken erhalten.

Autor:

Markus Raffler aus Kempten

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