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Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Gericht
Kokain an verdeckte Ermittlerin verkauft - Bewährungsstrafen für drei Männer in Kempten

Drei Männer verkauften in Kempten Drogen. Dann gerieten sie an eine verdeckte Ermittlerin. Nun wurden sie vor dem Amtsgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Es ist der Stoff, aus dem seit dem Drogenfund beim obersten Allgäuer Drogenfahnder Armin N. so häufig die Gespräche sind: Kokain. Und es eine Geschichte, die einiges erzählen kann über die Menschen, die damit zu tun haben. Auch über die Arbeit der Polizei. Eine Geschichte aber, in der - wie häufiger schon - eine zentrale Frage unbeantwortet bleibt. Die nach der letztendlichen Herkunft der Drogen. Dem Ursprung des Ganzen.

Vor dem Amtsgericht Kempten wurden nun drei Männer verurteilt, die in Kempten mit einigen Gramm Kokain Geschäfte machen wollten. Vier bis 19 Monate Haft auf Bewährung bekamen sie - "kleinere Fische", wie einer sagt, der sich im Thema gut auskennt. Dennoch: Dass es Amtsrichter Sebastian Kühn dabei beließ, war zunächst nicht klar gewesen. Dann aber räumten alle drei ein, was man ihnen vorwarf und entgingen durch eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung einem Aufenthalt hinter Gittern.

Diese Episode aus der Kemptener Koksszene beginnt an einem Nachmittag im März vor einem Jahr. Der Hauptangeklagte fährt an eine Tankstelle in Kempten. Dort will er jemanden treffen. Eine Frau. Er weiß nicht, dass sie verdeckt ermittelt. Rund 37 Prozent Reinheit hat der Stoff, den er ihr verkaufen wird. 210 Euro bezahlt die Ermittlerin. Keine 80 Euro sind das pro Gramm.

Vier Tage später. Der Mann trifft sich wieder mit der Ermittlerin. Diesmal hat er mehr Kokain dabei. Und einen Bekannten. Der werde ihn in nächster Zeit vertreten, da er selbst für zwei Wochen nach Sizilien fahre. Die Ermittlerin bezahlt. 700 Euro diesmal, pro Gramm weniger als beim ersten Geschäft. Aber das Kokain ist auch weniger hochwertig. Es hat einen Wirkstoffgehalt von etwa 22 Prozent.

Erneut vergehen einige Tage. Der Hauptangeklagte ist im Urlaub. So kommt diesmal sein Bekannter zur Tankstelle. Zur Unterstützung hat er den dritten Angeklagten im Bunde dabei. Das Geschäft läuft, 700 Euro wechseln den Besitzer und Kokain mit einem Reinheitsgehalt von 24 Prozent. Mehr Stoff soll folgend. Hochwertiger diesmal. Geliefert sei er noch nicht.

Bei einigen wenigen Gramm will es die Ermittlerin nun aber nicht mehr bewenden lassen. Sie will mehr. 50 Gramm sollen es sein. Die Kemptener wollen liefern. In der Anklageschrift allerdings findet sich ein Geschäft dieser Dimension am Ende nicht. Warum? Der Prozess bleibt die Antwort schuldig. Die verdeckte Ermittlerin wird nicht aussagen.

Wenige Minuten nach Prozessbeginn ziehen sich Staatsanwalt, die drei Verteidiger und das Gericht ins Hinterzimmer zurück. Die Angeklagten bleiben im Sitzungssaal zurück. An diesem Morgen verfolgen besonders viele Zuhörer, was in Saal 170 gesprochen wird. Eine halbe Stunde später steht die Absprache: Die Männer, die entweder eine blütenweiße Weste oder vor allem geringe Vorstrafen haben, gestehen. Das, was in der Anklageschrift schon steht. Mehr aber auch nicht.

Amtsrichter Sebastian Kühn verhängt ein Jahr und sieben Monate für den Hauptangeklagten (Bewährungszeit: drei Jahre). Die beiden anderen kommen mit einem Jahr und zwei Monaten, beziehungsweise vier Monaten auf Bewährung davon. Ihre Handys erhalten sie zurück. Ebenfalls beschlagnahmt worden waren Kokain, Bargeld, Puderzucker und Plastikdöschen.

Woher hatten die drei Männer das Kokain? Gibt es Strukturen im Hintergrund? Und: Wo verbergen sie sich? Es sind Fragen, die mit dieser Verurteilung keineswegs Schnee von gestern sind. In nächster Zeit wird es weitere Verhandlungen zum Thema Kokain in Kempten geben.

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