Hopfen am See
König Ludwig aus Liebe entführt

Manche Bilder sind schief aufgehängt, manche Lieder klingen schräg und so manche Geschichte aus dem prallen Leben riecht nach Münchhausen - und ist dennoch zu 100 Prozent wahr. Ein Porträt unseres Märchenkönigs - bestimmt kein Meisterwerk der modernen Kunstgeschichte, aber für seinen Besitzer sehr wertvoll - fehlte nach einem fröhlichen Starkbierabend dort, wo es im Haus Hopfensee einen Stammplatz hat. Wirt Uli Pickl entdeckte den Verlust.

Freundlicher Brief

Die Meldung im Polizeibericht in unserer Zeitung endete wie oft: Zeugen sollen sich melden. Die Gruppe, die unter dem Gemälde zechte, sind Urlauber gewesen und so führte ein amtlicher Meldezettel zur ersten und - wie es sich viel später herausstellen sollte - heißen Spur.

Dem freundlichen Brief aus der Feder Pickls, gerichtet an besagte Person und der von ihr angegebenen Adresse, folgte keine Reaktion. Erst Wochen danach kam Post: ein Päckchen. Der König kehrte zurück. Begleitet von einem Schreiben, das um Gnade bat und versuchte, den ruchlosen Diebstahl nicht zu rechtfertigen, aber zu erklären.

Die Tat - mutmaßlich begangen und gestanden von einer Frau - hatte ihre Ursache in der Schönheit des abgebildeten bayerischen Königs. Hals über Kopf verliebt habe sie Ludwig II.

- angefeuert von ihren Trinkgenossen - vorsichtig abgehängt und im Koffer bei der Abreise am Morgen entführt. Das klingt Zeile für Zeile in Schönschrift nach wirklich echter Reue, und damit wäre es eine Geschichte mit Happyend.

Doch dem kann nicht ganz so sein, weil eben nicht auszuschließen ist, dass besagte weibliche Person eines Abends wieder im «Haus Hopfensee» einkehrt, speist und trinkt und traurig wird, wenn sie das Bild betrachtet, das ihren Herzensschönen zeigt. Mancher Liebe auf Erden wohnt eine große Tragik inne, die hier auch uns zu Tränen rührt.

Für Eigentümer Uli Pickl ist die Angelegenheit damit erledigt. Er hatte Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Von einem Strafantrag aber sah er ab, als das Päckchen kam. Die Polizei stellte daraufhin die Ermittlungen ein - ob die Staatsanwaltschaft dasselbe tut, ist bislang offen.

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