Special Winter SPECIAL

Parken
Knöllchen auch bei Schnee und Eis unterm Scheibenwischer

«Halt, halt - ich komm ja schon. Ist denn die halbe Stunde schon um?» Im Laufschritt saust ein älterer Mann mit sächsischem Akzent die Grüntenstraße entlang zu seinem beigefarbenen Opel. Sieglinde Denz drückt gerade noch ein Auge zu: «Ihr Parkschein ist eben abgelaufen. Mit 20 Cent wären Sie auf der sicheren Seite gewesen», belehrt ihn die Politesse. «Ich war nur schnell beim Arzt und die Tiefgarage war proppenvoll.» Das ist nicht die einzige Ausrede, die die 50-Jährige an diesem Vormittag zu hören bekommt.

Auch bei diesem Winterwetter schreiben beide Immenstädter Politessen Knöllchen, wenn Autos etwa auf Gehwegen, Behinderten-Parkplätzen, Bushaltestellen, Halteverbotszonen oder Feuerwehrzufahrten abgestellt werden. Hat der Winterdienst am Fahrbahnrand Schnee aufgeschaufelt, «nehmen wirs nicht so genau, wenn deswegen ein Auto etwas weiter in der Straße steht», erklärt die Politesse. Allerdings dürfe es keine anderen Verkehrsteilnehmer behindern.

55000 Euro Einnahmen

Ausnahmen würden ebenso gemacht, wenn beispielsweise Parkmarkierungen bedeckt sind und kein Schild in der Nähe steht, so Denz.

Das ist bei diesem silbernen Jeep auf dem Klosterplatz aber nicht der Fall: Nur zwei Meter weit weg weist ein Verkehrszeichen eindeutig darauf hin, auch wenn der Fahrer es angeblich nicht gesehen hat. Die 50-jährige Immenstädterin speichert die Daten des Vorfalls - Nummernschild, Straße, Uhrzeit und Farbe - in ihrem I-Phone ab und klemmt einen gelben Zettel unter den Scheibenwischer.

Ein paar Sekunden später blinkt auf dem Computerbildschirm von Reinhold Hüppy ein neues Fenster auf. Sofort weiß der Sachgebietsleiter für kommunale Verkehrsüberwachung, wo seine Mitarbeiterinnen einen Falschparker aufgeschrieben haben.

Jährlich nehme die Stadt um die 55000 Euro an Verwarngelder ein - doch das ist Hüppy unwichtig: «Vielmehr sollen alle Fahrzeuge ordentlich stehen, damit der Verkehrsfluss gewährleistet wird.» Probleme gebe es vor allem in Wohngebieten: Besonders nachts würden viele Leute ihre Autos trotz Verbots am Fahrbahnrand abstellen - «sodass in der Früh der Schneepflug nicht mehr durchkommt», klagt Hüppy. Ohne Überwachung würden leider viele ihr Fahrzeug gedankenlos irgendwo hinstellen.

Obwohl die meisten Falschparker Verständnis für Verwarnungen haben, wird der ein oder andere manchmal ausfällig: «Wir wollen die Sache immer diplomatisch regeln und uns keinesfalls provozieren lassen», betont Denz. Falls es dennoch unter die Gürtellinie geht, bekomme der Uneinsichtige eine Anzeige.

Die Politessen haben im Winter übrigens stets einen Eiskratzer dabei - nicht nur um die Parkscheine hinter den eingefrorenen Scheiben zu kontrollieren: «Wir müssen uns um alle 30 Automaten im Stadtgebiet kümmern. Einige von ihnen haben oben Solarzellen, die wir freikratzen müssen», erläutert Denz.

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