Porträt
Knochen sind sein Spezialgebiet

Seine eigenen Knochen sind heil, keinen einzigen hat er sich je gebrochen. Aber bei anderen hat er jede Menge Brüche gesehen - und operiert. Professor Dr. Christian Schinkel ist Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Wiederherstellende Chirurgie und Orthopädie am Memminger Klinikum.

Das Spezialgebiet des 45-Jährigen ist die knöcherne Mitte des Körpers, die Wirbelsäule. Mit Schinkel kam die Wirbelsäulenchirurgie nach Memmingen. Hier hat er bisher allein auf diesem Gebiet 140 Operationen bestritten. Brüche, Tumore oder Abnutzungen bei Patienten aus dem ganzen Allgäuer Raum. An seine 100. Operation im Dezember erinnert er sich genau. «Ein Kletterunfall. Das war ein hochgradig instabiler Verrenkungsbruch der Halswirbelsäule. Wir haben fünf Stunden operiert.» Heute gehe der verunglückte junge Mann schon wieder zur Arbeit. Konkrete Erfolge wie diesen liebt Schinkel an seiner Arbeit. «Die Unfallchirurgie hat etwas sehr Direktes. Der Mensch hat einen Unfall, etwas ist kaputt und man richtet es wieder. Die Heilung geht relativ zügig.»

«Operieren ist etwas Kreatives»

Was so einfach klingt, hat sich der in München aufgewachsene Arzt in vielen Jahren an unterschiedlichen Kliniken in Deutschland und den USA angeeignet. Zehn Jahre war er am Klinikum Großhadern in München und sieben Jahre am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum in Bochum.

1993 hatte er seine erste Operation. Heute, rund 10000 OPs später, spricht er von der Erfahrung und dem Gespür, die bei Operationen entscheidend seien. «Operieren ist etwas Kreatives. Eine OP besteht aus Hunderten von Kompromissen, man muss ständig entscheiden.» Eine zerbrochene Vase könne man zusammensetzen, das sei Mechanik. «Das andere ist Biologie, der Knochen muss auch durchblutet sein.»

In Memmingen hat der Nachfolger von Professor Dr. Hans-Lorenz Lindenmaier nicht nur die Wirbelsäulenchirurgie neu etabliert. Neben künstlichen Hüft- und Kniegelenken ersetzt er auch Schultergelenke. «Und in deutlich steigendem Maß erneuern wir verbrauchte Kunstgelenke.» Seine Abteilung ist zudem dabei, sich als «Regionales Traumazentrum» für schwerstverletzte Patienten zu zertifizieren.

Jeden stationären Patienten, egal ob gesetzlich oder privat versichert, sieht der Chefarzt zweimal in der Woche. Dieser Kontakt ist ihm wichtig. Und die Arbeit im Team mit den Kollegen, den Schwestern und Krankengymnasten. Bei den Visiten sind sie dabei. «Dann sind alle auf dem gleichen Wissensstand, auch der Patient. Das ist Wertschätzung, und es optimiert den Behandlungsfluss.

» Aber es braucht auch Zeit. Die nimmt sich der Familienvater. Morgens um 6 Uhr beginnt sein Arbeitstag im Büro. «Da erledige ich Papierkram, da stört mich keiner.» Besprechungen, Visiten, in der Regel zwei Operationen am Vormittag, von 14 bis 17 Uhr Sprechstunde für Patienten, dann wieder Besprechungen. Um 19.30 Uhr geht er, wenn alles gut läuft, nach Hause zu seiner Familie.

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