Diskussion
«Kniefall vor den Energiekonzernen»

«Was hinterlassen wir unseren Nachkommen an Müll, von dem wir nicht wissen, was später einmal mit ihm ist?» In der Frage der Entsorgung des Atommülls sprach der evangelische Dekan Kurt Kräß bei einer Podiumsdiskussion zum Energiekonzept der Bundesregierung im Foyer der Stadthalle ein gravierendes Problem der Kernenergie an. Die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke und der Ausbau erneuerbarer Energien wurden lebhaft diskutiert. Veranstalter war der Verein «renergie Allgäu», der seinen Sitz in Kempten hat.

Einigkeit bestand zumindest darin, zukünftig mehr Energie zu sparen, die Energieeffizienz zu steigern und die erneuerbaren Energien auszubauen. Dem CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke wurde aus dem Publikum Anerkennung gezollt, dass er sich überhaupt der Diskussion stelle, was andere Parteikollegen meiden würden. Trotzdem hatte Stracke einen schweren Stand. Als Einzelkämpfer vertrat er die Politik der Regierung und musste teils recht emotional vorgebrachte Kritik anhören.

Das Energiekonzept sehe mehr vor als nur eine Verlängerung der Laufzeiten, sagte Stracke. Die Regierung wolle die erneuerbaren Energien massiv ausbauen. Derzeit werde der Strom zu rund 50 Prozent aus Kohle, zu 23 Prozent aus Kernenergie und zu 16 Prozent aus erneuerbaren Energien hergestellt. Bis zum Jahr 2050 wolle man einen Anteil von 80 Prozent aus erneuerbaren Energien erreicht haben.

«Der Umstieg braucht Zeit»

«Der Umstieg braucht Zeit», erklärte Stracke. Beispielsweise müssten Stromnetze ausgebaut werden, um die Windenergie vom Norden in den Süden zu bringen. Die Kernenergie soll in dieser Zeit des Übergangs als Brücke dienen, damit der Strompreis bezahlbar bleibe.

Raimund Kamm (Augsburg), Vorsitzender des Vereins «Forum - Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortliche Energiepolitik» kritisierte, dass der Bundestag nicht in der Lage sei, das Problem der Zwischenlagerung zu lösen. Über eine Million Jahre müsse der Atommüll sicher eingeschlossen werden. «Dieses Problem finde ich schrecklich.»

Stracke fand es vertretbar, was jetzt noch an neuem Atommüll hinzukomme. Kamm entgegnete, dass Gundremmingen dann vergrößert werden müsse. Das Atommülllager, rund 100 Kilometer von Memmingen entfernt, sei jetzt schon das größte in Deutschland, und der Müll sei oberirdisch gelagert. Also ein mögliches Ziel für Terroranschläge. «Bei Terror haften die Energiekonzerne nicht», so Kamm.

Auch der Münchner Atomphysiker Dr. Klaus Buchner kritisierte das Energiekonzept der Regierung: «Man spart Wesentliches aus.» Für Leute, die heute eine Fotovoltaikanlage bauen wollten, sei beispielsweise keine Planungssicherheit gegeben. Mit der Brennelementesteuer erneuerbare Energien voranzutreiben, hielt Buchner für einen Umweg. «Der Atomstrom ist hoch subventioniert.

» Das Geld sollte man direkt in erneuerbare Energien stecken. «Das neue Konzept ist ein Kniefall vor den vier großen Energiekonzernen.»

 

Diskutierten in der Stadthalle über Energiepolitik (von links): Richard Mair («renergie Allgäu», Organisator), Atomphysiker Dr. Klaus Buchner, CSU-Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke, Dekan Kurt Kräß und Raimund Kamm («Forum - Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortliche Energiepolitik»). Foto: Schraut

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