Stadtgeschichte
Kloster St. Anton in Kempten wird 100 Jahre

100 Jahre alt wird das Kloster St. Anton am 1. September. An diesem Datum wurde das Kloster geweiht, die Kapuziner zogen in der Immenstädter Straße ein. Zwei Jahre später wurde die Klosterkirche geweiht. Sie ist bis heute ein Ort der Beichte und Anbetung.

Seit 2001 wirken die Patres der Ordensgemeinschaft 'von den heiligsten Herzen Jesu und Mariens' in St. Anton. Sie feiern am 7. Oktober ein Doppeljubiläum: 100 Jahre Kloster und 250. Todestag des Bruder Georg von Pfronten.

Der Kirchenheilige ruht tatsächlich in der Klosterkirche. Bruder Georg trat 1725 in Rom dem Kapuzinerorden bei, starb 1762 in Frascati und wurde kurz darauf heiliggesprochen. Seine Gebeine wurden 1922 von Italien nach St. Anton überführt, seit 1953 ruht der Kapuziner in der Marienkapelle an der Nordseite.

Vor allem die Eisenbahner engagierten sich

Wie kam es zur Gründung des Klosters? Nach der Säkularisation 1802/03 gab es in Kempten nur eine Pfarrei, nämlich St. Lorenz. Anfang 1904 versammelte Kunstgärtner Haneberg aus Haslach rund 50 Männer, um für das Projekt Kirchenbau im Haubenschloß zu werben.

Wenig später wurde ein Kirchenbauverein Kempten-Süd gegründet. Vier Jahre lang sammelten vor allem die Bewohner der Eisenbahnerkolonie (Schellenberg-/Striegel-/Völkstraße) Spenden. Nach kontroversen Diskussionen über den Bauplatz kaufte der Verein für 28 000 Mark den heutigen Standort.

Die Eisenbahner waren es auch, die sich für die Klosterbrüder aussprachen: 'Wir wollen Kapuziner, das sind Männer des Volkes.'

Die Kapuziner drückten dem Kloster fast 90 Jahre ihren Stempel auf und machten St. Anton weit über Kempten hinaus bekannt. Vor allem Pater Odilo Holzner und Pater Konrad Heidrich zogen mit ihrem unverwechselbaren Humor Gläubige aus dem gesamten Allgäu an.

Für seinen Einsatz als guter Hirte von St. Anton wurde Pater Odilo mit dem Bundesverdienstkreuz, päpstlichen Kreuzesorden und der Residenzmedaille ausgezeichnet.

Das Kloster gilt aber nicht nur als ein Ort spiritueller Nahrung. In der Zeit zwischen den Weltkriegen war die Armenspeisung in der Bruder-Georg-Stube ein Treffpunkt für Benachteiligte.

Eine schwere Bewährungsprobe erlebte der Konvent, als im Sommer 1944 amerikanische Fliegerbomben auf das Kloster fielen. Die Schäden waren beträchtlich und nahmen während weiterer Angriffe auf das Bahnhofsviertel noch zu.

Die Kapuziner vertauschten Kutte mit Blaumann und halfen tatkräftig bei der Beseitigung der Schäden. 1949/50 wurde die Kirche außen und dann innen renoviert.

Es war die intensivste Zeit für den Orden. Doch ab 1970 nehmen auch geistliche Berufe ab. So war es für Pater Konrad und seinen Provinzial Pater Werner Labus eine schmerzliche Entscheidung, das Kloster aufzugeben.

Der polnische Orden von den heiligsten Herzen Jesu und Mariens übernahm die Seelsorge und bewohnt nach der Renovierung 2003 das Kloster. Rechtzeitig zum Jubiläum aber bekommt jetzt Pater Peter Kuzma Verstärkung: Neben Pater Slavek kommt ein Bruder, der künftig als Mesner tätig sein wird.

Festgottesdienst am 7. Oktober, 10 Uhr, mit Domkapitular Bertram Meier.

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