Special Gesundheit SPECIAL

Medizin
Kliniken: Über sechs Millionen Euro Verlust

Das Kommunalunternehmen Kreiskliniken Unterallgäu weist für das Jahr 2009 einen Fehlbetrag von rund 6,1 Millionen Euro auf. Im Jahr 2008 waren es 2,7 Millionen Euro. Diese zwei Zahlen kann man laut Klinikumsvorstand Franz Huber allerdings nicht miteinander vergleichen. In einem Pressegespräch mit der MZ schlüsselt er auf, wie sich das Defizit des Jahres 2009 zusammensetzt:

Mit rund zwei Millionen Euro schlägt das Minus der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in Babenhausen und Mindelheim zu Buche. Die MVZ seien vor 2009 eigenständig bilanziert worden und daher nicht in dem Zahlenwerk des Kommunalunternehmens zu finden gewesen, so Huber. Letztlich sei ein Teil des Defizits, das für 2009 in den Büchern steht, bereits 2008 angefallen. Er bezeichnet den MVZ-Fehlbetrag als «außerordentliche Zahlung».

Zinsen und Kredite hätten das Kommunalunternehmen Kreiskliniken rund 250000 Euro gekostet; Abschreibungen etwa 330000 Euro.

Das Betriebsergebnis des Kommunalunternehmens beziffert der Vorstand auf rund minus 3,5 Millionen Euro - wobei jeweils eine Hälfte auf die Klinik in Ottobeuren beziehungsweise in Mindelheim entfalle.

Huber nennt neben der Berücksichtigung der MVZ-Zahlung weitere Gründe für den deutlich erhöhten Jahresfehlbetrag: zum einen die Abfindungszahlungen in Höhe von insgesamt 629000 Euro an den ehemaligen Vorstand der Unterallgäuer Kreiskliniken, Alfons Hawner, sowie an den Ottobeurer Chefarzt Dr. Wolfgang Pflederer, der die Klinik im Mai 2009 verlassen hatte.

Die Abfindungen fließen mit in das Betriebsergebnis ein. Ebenso die Steigerungen bei den Personalkosten. 3,18 Millionen Euro wurden hier mehr ausgegeben als im Jahr 2008. Die Personalkosten haben sich damit um etwa 13,5 Prozent auf 30 Millionen Euro erhöht. Allein aufgrund gestiegener Tarifzahlungen sind laut Huber 1,26 Millionen Euro mehr angefallen.

Zudem habe man im Kommunalunternehmen 14,5 zusätzliche Stellen im Bereich Pflege/medizinischer Bereich geschaffen - unter anderem für den Herzkatheter-Messplatz in Mindelheim. Laut Huber wurde die Jahre zuvor offenbar ein zu strikter Sparkurs beim Stellenplan gefahren, der so nicht zu halten gewesen sei.

Dass das Ergebnis erst jetzt vorliegt, begründet Huber damit, dass sich das Zahlenwerk erstmals ein neu gegründeter Rechnungsprüfungsausschuss angesehen hat. Dieser setzt sich aus Mitgliedern des Verwaltungsrates zusammen. Mit Blick auf 2009 spricht Huber von einem «unruhigen Jahr» und von «Vergangenheitsbewältigung». Er räumt ein, dass seit dem Weggang Pflederers ein Rückgang bei den Belegungen in der Inneren Abteilung in Ottobeuren festzustellen sei. Im Otto-beurer Krankenhaus wurden im Jahr 2009 insgesamt 258 Patienten weniger behandelt als im Vorjahr.

Allerdings bemesse sich die Leistungsfähigkeit einer Klinik nicht nach Anzahl der Patienten, sondern nach einem komplexen Punktesystem, so Huber, «bei dem es für eine bestimmte Behandlung ein bestimmtes Entgelt gibt». In Ottobeuren habe man im Jahr 2009 in etwa das weniger erwirtschaftet, was in Mindelheim hinzugekommen sei. «Somit ist es unterm Strich ausgeglichen.»

Im laufenden Jahr sei die Entwicklung in der Inneren Abteilung in Ottobeuren weiter «eher rückläufig». «Aber wir sehen die gesamte Entwicklung», sagt Huber, der auf eine Steigerung von zehn Prozent in Mindelheim hinweist.

Auch in der chirurgischen Abteilung des Ottobeurer Krankenhauses habe sich die Situation verschlechtert, seit Chefarzt sowie Ärztlicher Direktor Dr. Stephan Fritz seinen Weggang bekannt gegeben hat, so Huber. Auf die Stellenausschreibung, die jetzt beendet ist, habe man «einige Erfolg versprechende Bewerbungen» erhalten, sagt Huber. Die Stelle soll im Frühjahr besetzt werden.

Weitere Defizite

Fest steht für Huber, dass weitere Defizite der MVZ auflaufen werden. Die zwei Millionen, die im Jahr 2009 zu Buche schlagen, seien nur ein Teil gewesen. Er geht davon aus, dass das Gesamt-Jahresergebnis des Kommunalunternehmens im Jahr 2010 im Vergleich mit dem Vorjahr «deutlich unterschritten» wird. Er hofft auf eine Verbesserung von 25 Prozent.

 

Franz Huber

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen