Klinik
Kliniken-Defizit war 2009 viel höher als prognostiziert

26. November 2009: Dr. Martin Köbler, bis Ende Oktober 2009 Interimsvorstand der Kreiskliniken Unterallgäu, hat auf Antrag von CSU und JWU vor dem Kreistag zur finanziellen Lage der Kreiskliniken Stellung bezogen. Rund fünf Wochen vor Abschluss des Jahres verkündete er: Die Kreiskliniken seien besser aufgestellt als in den Jahren davor.

Im Frühjahr 2009 hatte der Weggang von Chefarzt Dr. Wolfgang Pflederer in Ottobeuren ein mittelprächtiges politisches Erdbeben ausgelöst. Vor allem Teile der CSU kritisierten das Vorgehen des Landrats. Die Informationen von Köbler trugen dann zur Beruhigung der Gemüter bei. Auf 1,8 Millionen Euro schätzte Köbler damals das Defizit der Kreiskliniken für das Jahr 2009. Seit dieser Woche liegen die tatsächlichen Zahlen auf dem Tisch: Der Verlust hatte sich 2009 auf rund 3,5 Millionen Euro summiert, fällt also doppelt so hoch aus, als es Köbler angegeben hatte.

Bei dem Betrag von 3,5 Millionen Euro sind die zwei Millionen Euro Verluste für die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in Mindelheim und Babenhausen noch nicht mit eingerechnet. Der Vorstand der Kreiskliniken, Franz Huber, sagte auf Anfrage der MZ, er habe das Kreistagsprotokoll nachgelesen. Demnach habe Köbler damals einige Einschränkungen gemacht. Ganze Bereiche seien weggelassen worden. So seien etwa die Kosten für die Kurzzeitpflege sowie die ambulante Geriatrie in Ottobeuren nicht mitgerechnet worden.

Noch nicht abschließend abgerechnet war mit den Krankenkassen. Hier sei die Prüfung von Abrechnungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) noch nicht erfolgt gewesen. Diese Beträge seien dann mit Ablauf des Geschäftsjahres eingebucht worden, so Huber.

Auch die Abfindungszahlungen in Höhe von 629000 Euro für Chefarzt Dr. Wolfgang Pflederer, der die Klinik im Mai verlassen hatte, sowie für Klinikumsvorstand Alfons Hawner seien nicht berücksichtigt gewesen. Genauso wenig wie die Rechtsanwaltskosten, sagte Huber gestern. Köbler hatte damals aber auf Nachfrage von CSU-Kreisrat Werner Birkle erklärt, dass in dem geschätzten Defizit in Höhe von 1,8 Millionen Euro bereits ein Teil der Sonderausgaben für Pflederer und Hawner berücksichtigt worden sei.

Minus von 1,65 Millionen Euro

Im Jahr 2008 war für das Kreisklinikum in Ottobeuren ein Defizit über 288000 Euro festgestellt worden. Das Gesamtdefizit für die beiden Kreiskliniken lag laut Vorstand Huber bei rund 2,7 Millionen Euro. Im Folgejahr 2009 schloss Ottobeuren mit einem Minus von 1,65 Millionen Euro ab.

Huber erklärte die Verschlechterung von 2008 auf 2009 um rund 1,36 Millionen Euro zum einen mit den Abfindungszahlungen an Pflederer und Hawner. Zum anderen habe es in Ottobeuren einen «Leistungsrückgang» - also Einnahmerückgänge - im Wert von mehr als 600000 Euro gegeben. (jsto)

 

Das Defizit an der Kreisklinik in Ottobeuren ist im Jahr 2009 deutlich gestiegen.

Archivfoto: Unglert-Meyer

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