Brauchtum
Klausen, Krampusse und Perchten: 18.000 Besucher bei Börwang brennt

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Pyrotechnik wird großgeschrieben bei 'Börwang brennt'. Auf der Hauptkreuzung haben die 'Wildschönauer Höllentoife' ein Fass aufgestellt, aus dem Flammen lodern. Immer wieder werfen sie brennende Feuerwerkskörper hinein, die dann in leuchtenden Fontänen aufgehen.

Tausende bejubeln das Spektakel am Samstagabend. Hörner sind bei Krampussen und Perchten ebenfalls groß in Mode. Ob von Rind, Ziege, Widder, Steinbock oder Reh. Gruslige Fratzen haben die Schnitzer den Maskenträgern gestaltet. Fangzähne ragen hervor, die dringend Pflege brauchen könnten. Und wenn sich die Gehörnten über die Absperrgitter ins Publikum lehnen, quietschen die Mädchen auf. Als nächtliche Begleitung kommen die Dämonen jedenfalls nicht in Frage, bitte auch nicht im Traum.

Respekt haben die Zuschauer nicht nur vor dem grusligen Äußeren. 'Irre, dass der damit laufen kann', kommentieren Jugendliche einen Auftritt auf Krallenstelzen. 'Und wie die unter ihren Fellen schwitzen müssen', sagt eine Frau, die sicherheitshalber in der dritten Reihe auf dem Gehweg steht. Etliche Klausen wiegen monströse Köpfe, deren Augen in allen Farben leuchten. Aus den Lautsprechern dröhnt dazu 'Ich bin das Böse', 'Hell’s bells' oder Düster-Pop mit lateinischen Texten.

Derweil reichen die Zuschauer kleine Kinder für ein Erinnerungsfoto in die Arme der hässlichsten Gestalten. Brennende Sensen sind als Accessoires gern gesehen, Rauch gehört zum inszenierten Nervenkitzel, die Klausen machen mit ihren Glocken Höllenlärm. 'Echt genial', 'total cool', 'etwas ganz Besonderes' urteilen die Gäste, die bei milden Temperaturen aus dem ganzen Allgäu ins kleine Börwang strömen. Als Böllerschüsse den Start des Perchtenlaufs signalisieren, ist der Ortskern rappelvoll. 18 000 Zuschauer schätzen die Verantwortlichen, noch einmal mehr als bei der Premiere vor vier Jahren.

Nur wenige verlassen ihre Plätze, bevor nach eineinhalb Stunden die Erkheimer mit einem Wagen den Schluss des Umzugs markieren. Bis dahin zeigen 22 Gruppen, die teilweise über 400 Kilometer weit angereist sind, was in ihrer jeweiligen Heimat zum Brauchtum gehört. Viele stammen aus Österreich. Einige Vereine haben sich erst vor Kurzem gegründet, andere pflegen ihre Tradition schon über 100 Jahre. Die Börwanger Klausen und Bärbele sind die Gastgeber des Umzugs. Es hatten zehnmal so viele Teilnehmer Interesse gemeldet, letztlich beschränkten sie das Feld auf 420. Vereinssprecher Martin Fackler ist am Tag darauf nur glücklich: 'Wahnsinn, wie viele Leute da waren.

Und alles ist friedlich gelaufen, wir hatten keinen einzigen Polizeieinsatz.' Wird die Erfolgsgeschichte fortgesetzt? 'Da gibt’s jetzt noch kein Ja und kein Nein.'

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