Hildegardplatz
Klares Nein zur Tiefgarage - jetzt geht es vielen um die Gestaltung

Als zehn Wahllokale ausgezählt waren, gab es gestern Abend die erste heiß ersehnte Wasserstandsmeldung - und auch gleich manch ungläubiges Staunen. Zu dem Zeitpunkt hatten sich 68 Prozent der Kemptener gegen eine Tiefgarage unter dem Hildegardplatz ausgesprochen. Nachdem alle 35 Wahllokale und die sechs Briefwahlbezirke ausgewertet waren, hatte sich die Ablehnung manifestiert: Letztlich machten 73,3 Prozent der Wähler ihr Kreuz im Nein-Feld. 37 Prozent der Berechtigten gaben ihre Stimme ab.

«Es hat sich das bestätigt, was wir auf der Straße gehört haben», kommentierte Ralf Oberbauer das Ergebnis. Der Sprecher der «Initiativgruppe Hildegardplatz», die sich gegen die Tiefgarage stark gemacht hat, glaubt, dass sich am Sonntag die Kemptener durchgesetzt haben, denen das Thema insgesamt wichtiger war. Dazu gehört seiner Ansicht nach auch die umstrittene Gestaltung der Oberfläche.

«Sehr enttäuschend» lautete die erste Reaktion von Heinz Grünwald, der als Sprecher das «Aktionsbündnis Pro Hildegardplatz» vertrat. Dieser Zusammenschluss hatte sich vor dem Bürgerentscheid für eine Tiefgarage eingesetzt. «Entscheidend war, dass das Negative besser von den Bürgern aufgenommen wurde als das Positive», resümierte Grünwald.

Stadtrat Helmut Hitscherich (UB/ÖDP) war «über die Klarheit der Entscheidung erstaunt». Entscheidend waren aus seiner Sicht die hohen Kosten für eine Tiefgarage, die Gefahren für die Basilika, «und dass es keine Parkraumnot gibt». Neuerliche Diskussionen über die Oberfläche kann er sich nun vorstellen, «aber nicht bezüglich der Zahl der Fahrzeuge».

Auch in den Reihen der Tiefgaragen-Befürworter wurden gestern Abend Stimmen laut, die sich dafür aussprachen, sich erneut mit der künftigen Oberfläche des Hildegardplatzes zu beschäftigen. Stadtrat Herbert Karg (Freie Wähler) hält davon nichts: «Da würden wir als Stadträte an Glaubwürdigkeit verlieren.»

«Wenn der Kemptener sich so deutlich gegen die Tiefgarage ausspricht, werden wir nicht gegen dessen Willen regieren», war für CSU-Chef Erwin Hagenmaier das Votum klar. Er blickte bereits weiter in Sachen Platz-Ausstattung: Bei einer reinen Parkfläche werde er sich jedenfalls gegen vergleichsweise teures Pflaster aussprechen.

FDP-Stadtrat Dominik Spitzer hat das Ergebnis der Abstimmung nicht überrascht. An den Informationsständen seien die Verhältnisse oft noch klarer gewesen. Er hörte oft, dass man kein weiteres Bild wie am St.-Mang-Platz wolle.

Dass die Platzgestaltung noch einmal auf den Prüfstand kommt, «halte ich nicht für realistisch», sagte dagegen Oberbürgermeister Dr.Ulrich Netzer. Dazu seien Bürger und Stadträte alle unstrittig in eine Richtung gegangen. Im Übrigen wollte er «nichts in das Ergebnis des Bürgerentscheids hineininterpretieren». Für weitere Planungsprozesse sei wie bisher notwendig, die Bürger rechtzeitig einzubinden.

Für Grünen-Stadtrat Thomas Hartmann ist das Votum in zweifacher Hinsicht eine «Richtungsentscheidung»: «Zum einen lehnen die Leute die Idee der autogerechten Innenstadt ab.» Und zum anderen hätten die Kemptener erkannt, dass die ganze Vorbereitung mitsamt der Bürgerbeteiligung gesteuert war in Richtung Tiefgarage. Bei der Platzgestaltung plädiert Hartmann dafür, «einige Details zu überdenken». Umgebaut werden müsse der Hildegardplatz aber trotzdem.

«Freude über den Mut der Kemptener» empfand SPD-Fraktionsführer Ludwig Frick. Schließlich habe sich eine mächtige Allianz pro Tiefgarage stark gemacht. Mit der Wahlbeteiligung zeigte er sich zufrieden. Von einer Grundsatzdiskussion um eine neue Platzgestaltung hält er aber nichts. Da habe der Stadtrat schon entschieden.

Auf der sehen Sie das offizielle Wahlergebnis von gestern Abend.

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