Musik
Kirchenchor St. Martin und Kantorei der Dreifaltigkeitskirche präsentieren Oratorium Christoforus

Das Ausgraben von lange vergessenen Werken - man mag dies als musikalische Archäologie bezeichnen - ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Denn man muss sich auf im wahrsten Sinne des Wortes Unerhörtes einlassen.

Daniel Herrmann, Kirchenmusiker in St. Martin in Kaufbeuren, glaubte jedoch an die Qualitäten der musikalischen Legende "Christoforus" von Joseph Gabriel Rheinberger.

Sein Optimismus hat sich ausgezahlt, denn die Aufführung vor voll besetzten Bankreihen in der Martinskirche war musikalisch sehr gelungen. Durch die Mitwirkung der Kantorei der Dreifaltigkeitskirche setzte man dazu auch noch ein kräftiges Signal für die kirchenmusikalische Ökumene.

Nachdem Stadtpfarrer Thomas Renftle in seiner Begrüßungsansprache eine Parallele zwischen Christoforus/Christophorus und den ausführenden Musikern gezogen hatte – beide stellten ihre Kraft in den Dienst Gottes – begann der Abend mit Rheinbergers Orgelkonzert Nr. 2 in g-Moll.

Traugott Mayr spielte als weiterer Gast aus der Dreifaltigkeitskirche den Solopart. Virtuosität stand hier nicht im Mittelpunkt, viel eher die Integration der Orgel ins Klanggeschehen des begleitenden Kammerorchesters. Die Art wie Mayr die Zungenregister parallel zu den Trompeten einsetzte sorgte für sehr originelle Klangfarben.

Nach einem eher gemütlichen Mittelsatz im Sechsachteltakt nahm das dramatische Finale bereits einige Aspekte der folgenden 'Christoforus'-Geschichte vorweg.

Dieses zu Lebzeiten erfolgreichste Werk des langjährigen Hofkapellmeisters Ludwigs II. ist kein Oratorium im herkömmlichen Sinn. Das kontrastreiche Libretto von Rheinbergers Frau Fanny von Hoffnaaß ließ sich kompositorisch entsprechend umsetzen. Immer wieder schlägt bei Rheinberger eine opernhafte Dramatik durch.

Ohnehin weisen einige Motive wie Naturschilderungen, der Chor der spottenden Geister oder der Auftritt eines Eremiten auf eine Atmosphäre hin, wie man sie vom 60 Jahre zuvor entstandenen 'Freischütz' kennt.

Gleich zu Beginn des Oratoriums präsentierte sich der gut 60-köpfige Chor mit angenehm sonorem Klang. Johannes Mooser gab als Riese, der nach seiner Bekehrung zu Christoforus wurde, einen überaus höhenfesten Einstand und geizte nicht mit seinem Stimmvolumen.

Ausgesprochen lyrisch und warm timbriert präsentierte sich Sopranistin Jutta Bazelt, zunächst als 'warnende Stimme' und dann in einem unter die Haut gehenden, engelsgleichen 'Hol über'-Ruf an Christoforus. Kurz und nachhaltig war der Auftritt von Peter Schmitz als Einsiedler. Mit heller Farbe und ohne den hier unpassenden heldischen Strahl gab er die Figur, die Christoforus letztendlich zur Umkehr bewegt.

Ein besonderes Kabinettstück beim Zusammenwirken von Gesang und Orchester gelang Rheinberger im Damenterzett 'Oben die Sterne', schmachtend, aber ohne Übertreibung gesungen von Waltraud Strössner, Margit Bauer und Annette Schopf. Hier ließ der Komponist auch das Orchester innerhalb kürzester Zeit höchste Höhen erklimmen, vom tiefen Violoncello bis zur Flöte.

Gesamtleiter Herrmann hatte das musikalische Geschehen gut im Griff und konnte auch gegen Ende noch dynamisch alles aus dem Chor 'herauskitzeln'. Bleibt zu wünschen, dass er auch in Zukunft bei der Präsentation von vergessenen musikalischen Schätzen ein glückliches Händchen besitzt.

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