Gespräch
Kirchenbegriffe: Lasst uns miteinander reden ndash über Unterschiede

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Segen und Weihe, Priester und Pastor. Wie selbstverständlich nehmen wir kirchliche Begriffe in den Mund. Mancher ist sich dabei gar nicht darüber im Klaren, dass bei den beiden großen christlichen Kirchen längst nicht alles die selbe Bedeutung hat und es oft auf den feinen Unterschied ankommt. In loser Folge erklären ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher, was jeweils genau gemeint ist.

Im Zeichen der Ökumene gehen evangelische Christen in katholische Kirchen und umgekehrt. Spielen für diese Menschen Unterschiede überhaupt eine Rolle?

Kurt Kräß: Wenn Leute zu mir sagen, eine schöne Messe haben Sie gehalten, dann weiß ich, es waren Katholiken. Denn bei uns gibt es nun mal nur Gottesdienste.

Pater Johannes: Wir feiern eine Vielzahl von Gottesdiensten: Andachten, Vespern, Morgenlob, das Nachtgebet. Aber die Messe mit der Eucharistiefeier ist der Höhepunkt. Da glauben wir, im Sakrament Christus selber zu begegnen.

Kräß: Bei uns Evangelischen ist das Wort Gottesdienst inhaltliches Programm – dass wir in die Kirche gehen und Gott dort für uns einen Dienst tut, indem wir gute Worte aus der Bibel hören. Nicht wir tun für Gott etwas, sondern andersherum.

Wir kommen freiwillig, Gott sagt uns etwas und das tut uns gut. Die Predigt des Pfarrers hilft dabei jedem, sich seine eigenen Gedanken zu machen zu einer Bibelstelle.

In evangelischen Gottesdiensten spielt die Predigt ja eine zentrale Rolle. Wenn der Pfarrer da nicht die richtigen Worte trifft

Kräß: Ich denke doch, dass die meisten Pfarrer den Gottesdienstbesuchern zu ihren eigenen Gedanken verhelfen. Aber natürlich (Kräß stutzt kurz und lächelt dann) kann mancher durch seine Art, etwas zu formulieren, sogar im Weg stehen.

Pater Johannes: Was eine Messe von allen anderen Gottesdienstformen unterscheidet, ist die Notwendigkeit, dass nur der geweihte Priester die Messe halten kann. Durch die Eucharistiefeier, also von Christus her, baut sich bei uns erst Gemeinde auf. Jesus ruft, und wer zu dieser Gemeinde gehört, hat nicht nur das Recht, an der Messe teilzunehmen, sondern auch die Pflicht. Daher kommt die Sonntagspflicht.

Kräß: Für Evangelische ist auch ein Gottesdienst ohne Abendmahl vollwertig. Früher wurde das Abendmahl sogar sehr selten gefeiert, weil man sich ganz besonders auf das Wertvolle vorbereiten wollte, durch Brot und Wein Christus sinnenhaftig zu erleben. Heute hat sich – auch durch das Zusammenleben mit der katholischen Kirche – hier eine Wandlung vollzogen. Beim Abendmahl ist uns gleichfalls wichtig, dass es sich dabei um eine freiwillige Einladung an alle Getauften handelt.

Und weil wir ja eine Kirche sind, gibt es mir immer einen kleinen Stich, wenn ich in eine katholische Kirche gehe, im Namen Christus eingeladen bin und an einer Stelle dann sitzenbleiben muss.

Pater Johannes (sieht seinen Gegenüber länger an und lacht dann verschmitzt): Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob sich Evangelische bewusst sind, dass sie durch den Wunsch, zur Eucharistie zu gehen, nach unserem Verständnis die Einheit mit dem Papst suchen.

Die Einladung ist eben nicht nur eine persönliche, sondern eine, durch die Gemeinde von Christus her in Gemeinschaft mit dem Bischof und dem Papst entsteht. Da gibt es dann doch Unterschiede, auch wenn wir sonst so viel gemeinsam haben.

Pater Johannes Schaber ist 43 Jahre alt und Regionaldekan für Memmingen und das Unterallgäu. In der Benediktiner- Abtei Ottobeuren lebt er bereits seit 24 Jahren. Der humorvolle Geistliche, der zwischendurch immer wieder gerne und fröhlich lacht, ist nicht nur Priester in einer Pfarreiengemeinschaft mit 8000 Gläubigen, sondern auch Autor theologischer Schriften.

Kurt Kräß hat vor kurzem seinen 60. Geburtstag gefeiert. Nach Memmingen kam er vor zwölf Jahren, nachdem er zuvor zehn Jahre lang eine evangelische Tagungsstätte geleitet hatte. Der Dekan, der Gemeinden bis nach Buchloe betreut, ist sehr belesen und zitiert nicht nur in persönlichen Gesprächen gerne Wilhelm Busch und Erich Kästner. Er rezitierte diese auch schon auf Theaterbühnen.

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