Kempten
Kirchenabriss trotz Eintrag als Denkmal nicht vom Tisch

Wird die Kirche Christi Himmelfahrt abgerissen oder nicht? Und: Entsteht an selber Stelle vielleicht eine Kindertagesstätte oder betreutes Wohnen? Nach wie vor unklar ist die Zukunft des Kirchenbaus im Freudental. Zwar ist das Gotteshaus von 1969 mit seinem Pfarrheim seit der Bauausschuss-Sitzung am Mittwoch das jüngste Gebäude auf der Denkmalliste der Stadt. Vor einem Abbruch muss das die Kirche aber nicht zwangsläufig bewahren. Bei einem Abrissantrag hätte die Untere Denkmalbehörde bei der Stadt das letzte Wort.

Was hat der Bauausschuss beschlossen? Eine Formalie. Entscheidend ist nämlich, dass das Landesamt für Denkmalpflege in München bereits im Winter festgestellt hatte, dass es sich bei der Kirche um ein Denkmal handelt. Dieses solle die Stadt in ihre Liste eintragen. Im März allerdings konnten die Stadträte dazu «kein Benehmen erteilen». Sie wollten genauer wissen, weshalb die Himmelfahrtskirche ein schützenswertes Denkmal sein soll. Diese Begründung wurde nun nachgeliefert. Der Bau sei unter Eindruck des Zweiten Vatikanischen Konzils entstanden, heißt es unter anderem - und dass dabei «bisher nicht verwendete Konzepte () zu einer Neuinterpretation des gesamten Erscheinungsbilds führten».

Die Stadträte konnten letztlich ihr Benehmen erteilen - gegen die Stimmen von Karl Sperl und Franz Mayr von der CSU sowie Herbert Karg von den Freien Wählern.

Wieso ist ein Abriss möglich? Unter bestimmten Umständen (wenn zum Beispiel Erhalt und Sanierung aus wirtschaftlichen Gründen nicht zumutbar sind), darf ein Denkmal abgerissen werden. Die Hürden sind jedoch hoch.

Wer könnte den Abriss beantragen? Zwei Parteien, sagt der katholische Dekan Dr. Michael Lechner: zum einen die Kirchenstiftung Christi Himmelfahrt als Eigentümer oder die Stiftungsaufsicht. Das sei die Diözese Augsburg.

Wer entscheidet dann? Zuständig ist die Untere Denkmalbehörde. Zwar werde sich der Bauausschuss mit dem Thema beschäftigen - beschließen werde aber die Behörde, so Baureferentin Monika Beltinger. Das Landesamt für Denkmalpflege hat nach eigener Aussage zu diesem Zeitpunkt kein Entscheidungsrecht mehr.

Zusammenführung bleibt

Welche Rolle spielt die Diözese? Wie die bischöfliche Pressestelle gestern erklärte, halte man an der Zusammenführung der Pfarreien St. Lorenz und Christi Himmelfahrt fest. Augsburg stelle für den Erhalt des Gebäudekomplexes keine Fördermittel bereit. Sollte das Gebäude aber «weggenommen werden können» - sprich abgerissen - werde man sich «Überlegungen für eine Nachfolgenutzung (.

..) auch für den Bau einer Kindertagesstätte oder einer sozialen Einrichtung, im Rahmen ihrer Haushaltsmöglichkeiten nicht verschließen».

Welche Nutzungen werden diskutiert? Wie Baureferentin Beltinger bestätigte, hatte es Überlegungen gegeben, das Oberlinhaus (Diakonie) einziehen zu lassen. Dieser Plan sei aber von der Kirchengemeinde abgelehnt worden. Wie Dekan Lechner bestätigte, ist das Dominikus-Ringeisen-Werk als Nutzer im Gespräch. Zudem könnte nach einem Abriss ein Neubau entstehen - etwa für betreutes Wohnen. Entscheidungsbefugt, so Lechner, sei die Kirchengemeinde. Er könne keine Entscheidung anordnen.

Pfarreienreform: Laut Lechner hat die Kirchenstiftung St. Lorenz nicht vor, das Gebäude bei einer Verschmelzung zu übernehmen. Sollte bis dahin keine andere Nutzung gefunden sein, werde man vor einer «schwierigen Situation» stehen. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ursula Zingraf kündigte an, weiter für den Erhalt der Kirche als Gotteshaus zu kämpfen.

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