Bad Hindelang
Kinder sollten «zweisprachig» aufwachsen

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Mehr als 50 Jahre lang hat sich Siegfried Bellot für die Trachtensache engagiert. Er war Vorstand in seinem Heimatverein «dOstrachtaler Hindelang» und Vorsitzender der «Interessen-Gemeinschaft der Oberallgäuer Gebirgstrachten und der Historischen Tracht» (IG), er war Mitbegründer der Jodlergruppe «Ostrachtaler Buebe» und er spielt bis heute Akkordeon im «Hindelanger Jolartrio». Über diese Gruppe hat bereits das Fernsehen berichtet.

Als Siegfried Bellot in die Kindertanzgruppe des Trachtenvereins kam, war er gerade mal zehn Jahre alt. «Drei lederne Strümpf» hieß der alte Volkstanz, mit dem die kleinen Trachtler damals aufgetreten sind und der noch heute in den Vereinen einstudiert wird. Die Freude am Volkstanz ist Bellot geblieben: Er war aktiver Schuhplattler, hat die Plattlergruppen auf dem Akkordeon begleitet und eine Jugendgruppe gegründet und geleitet.

Nach der Plattler-Zeit kam für Siegfried Bellot die Volkstanzzeit. Die Volkstanzgruppe tritt bei Heimatabenden und Waldfesten auf - die Damen in langen Röcken und mit alter «Reginahaube», die Männer in Lederhosen und roten Leibchen. Heute sind Siegfried Bellot und seine Frau Poldi in der «Sechsertanz-Gruppe».

Der Sechsertanz wurde bereits um 1780 vor Kurfürst Bischof Clemens Wenzeslaus aufgeführt und beim Oktoberfest 1910 traten Hindelanger Tänzer vor dem Königszelt von Prinzregent Luitpold auf, die Frauen in Alt-Hindelanger Tracht mit Radhaube, die Männer im blauen Frack.

Besonders am Herzen liegt Bellot der Erhalt des Dialekts. Auch in seiner Heimatgemeinde gebe es einheimische Familien, in denen kein Dialekt mehr gesprochen wird. «Es stimmt einfach nicht, dass Kinder, die Mundart sprechen, Probleme in der Schule haben», meint er. Viel besser sei, Kinder «zweisprachig» aufwachsen zu lassen.

Vereine mit Gründung der IG-Tracht zusammengewachsen

Im Rückblick auf seine Trachtler-Zeit erinnert sich Bellot noch gut an Zeiten, in denen es nur wenig Zusammenhalt mit anderen Trachtenvereinen gab. «Wenn ein Verein ein Fest hatte, ist man da nicht unbedingt hingegangen», erzählt er. Heute sei das ganz anders. Spätestens mit der Gründung der IG seien die Trachtenvereine zusammengewachsen. Eigens für sein Amt an der Spitze der IG-Tracht hat sich Bellot einen Computer gekauft und mit der neuen Technik vertraut gemacht. «Bei der ganzen Verwaltungsarbeit gehts ohne Computer nicht.»

Über 50 Jahre Ehrenamt für die Trachtensache - für Bellot gab es in dieser Zeit nur wenige Stunden, «in denen es gar nicht gepasst hat». Vielmehr habe er Freunde kennenlernen und Erfahrungen sammeln können. Voraussetzung für sein jahrzehntelanges Engagement sei der Rückhalt in der Familie gewesen.

Kinder und Enkel seien ganz selbstverständlich in die Trachtensache «hineingewachsen» - so wie Siegfried Bellot vor mehr als 50 Jahren.

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