Marktoberdorf
Kinder müssen lernen, «Nein» zu sagen

Peter hat laut «Nein» gesagt, als sein Trainer mit ihm duschen wollte, und Susi hat dem Papa erzählt, dass ihr der «nette» Onkel zwischen die Beine gegriffen hat. In dem Stück «Mein Körper ist mein Freund», mit dem das Spielwerktheater Eukitea aus Diedorf bei Augsburg vor den Mädchen und Buben des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Marktoberdorf (Don-Bosco-Schule) auftrat, wird das heikle Thema «sexuelle Grenzverletzungen gegen Kinder» spielerisch verpackt, verliert dadurch aber nicht an Brisanz.

In dem Stück haben sich Sven und Lea, die beiden Hauptfiguren, viel zu erzählen über ihre Freunde und über sich selbst: zum Beispiel Tricks, wie sie ihre Eltern dazu bringen, ihnen zuzuhören - einfach loskreischen und die Stereoanlage ganz laut aufdrehen - oder ihre unangenehmen Erfahrungen mit küssenden Tanten und fummelnden Omas.

Den Kindern ein positives Körpergefühl zu vermitteln, sie zu ermutigen, sich gegen Übergriffe zu wehren und sich nahe stehenden Personen wie Eltern, Spielkameraden oder Lehrern anzuvertrauen: Das ist das Ziel von Fred Brunner, der die Musik zum Stück geschrieben hat, und der Schauspieler des Spielwerktheaters Eukitea.

Mit viel Einfühlungsvermögen

Mit wenigen Requisiten und viel Einfühlungsvermögen wollen sie ihr junges Publikum für Situationen sensibilisieren, die zu oft totgeschwiegen werden, und dafür, Erwachsenen Grenzen zu setzen und schlechte Geheimnisse nicht für sich zu behalten. Denn, «wenn es wehtut im Bauch, darf man es rauslassen»!

«Das beste Theaterstück, das ich je gesehen habe», meinte eine Zweitklässlerin. 50 Minuten verfolgten 160 Kinder der ersten bis sechsten Klasse der Don-Bosco-Schule gebannt das Bühnengeschehen. Begeistert vom Konzept der Aufführung, welche die Aktion «Sternstunden» des Bayerischen Rundfunks und der Förderverein der Schule finanzierten, waren sowohl Kinder und Eltern, als auch Lehr- und Fachkräfte.

Schulleiterin Jutta Mönninghoff freute sich über die Anwesenheit «vor Ort wichtiger Ansprechpartner». So waren neben Frauennotruf Kaufbeuren und Psychologischer Beratungsstelle unter anderem Vertreter von Gesundheitsamt und Polizei bei der Theateraufführung.

Das Theater-Präventionsprojekt ist mit einer Vor- und Nachbereitung verknüpft. Die Lehrer wurden in einer Konferenz fortgebildet. Am Vortag der Aufführung waren die Eltern dazu eingeladen, das Stück zu sehen und darüber zu diskutieren.

Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt von Diplom-Sozialpädagogin Gudrun Gallin, Leiterin der Fachstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen in Rosenheim.

Das Thema wird die Kinder auch noch im Unterricht beschäftigen. Denn sie sollen «fit werden fürs Leben» - dazu gehöre auch, manchmal ganz deutlich «Nein» zu sagen, sagten die Verantwortlichen.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen