Nesselwang
Kies auf dem Snowboard

Waghalsige Sprünge über Schneeschanzen? Damit hat Peter Heel (67) aus Nesselwang nichts im Sinn, wenn er mit dem Snowboard unterwegs ist. Er saniert den Weg von der Wallfahrtskirche Maria Trost zur Kappeler Alm. Das Snowboard dient zum Materialtransport. Mit Kies beladen zieht er es durchs Gelände, auf einem schmalen Pfad über Stock und Stein.

Auf dem Alpweg zum Sportheim Böck fahren Bauhof-Mitarbeiter den Kies hoch. Den transportiert Heel mit dem Snowboard durch den Jungwald zur Baustelle. Im vorigen Jahr startete er mit der Wegesanierung. Während sich mancher über den Zustand der Wege in den Bergen in den Medien beklagt, handelt der aktive Kletterer und Bergsteiger, auf dessen Konto Erstbegehungen in den Lechtaler und Tannheimer Alpen gehen: Im Herbst 2008 schloss er sich der Bürgerwerkstätte «Bergwanderwege» an und übernahm die Sanierung des Weges von Maria Trost zur Kappeler Alm. Seitdem erneuert er allein den Weg.

Weit über 130 Arbeitsstunden leistete er 2009 für das Projekt, ehrenamtlich und unentgeltlich. Anfangs benutzte er ein Tragegestell und zog sich prompt eine Zerrung an der Schulter zu, die ihn tagelang außer Gefecht setzte. Auf der Suche nach einem geeigneten Transportmittel kam er auf das Snowboard. «Ein gebrauchtes Board war auf die Schnelle nicht aufzutreiben. Zum Glück hat mir die Gemeinde eins gekauft», berichtet er. Bei der Montage der Kiste und eines Metallgestells zum Herablassen über die steilen Stufen half die Firma Burger. Als gelernter Werkzeugmacher und Feinmechaniker hat Heel die Zeichnungen selbst angefertigt. «Leider ist das Gerät ziemlich schwer geworden. Leer wiegt es bereits 35 Kilo», bedauert er.

In einem maroden Zustand

Der Weg war in einem maroden Zustand, als er mit der Arbeit anfing. In den steilen Passagen hatte die Erosion tiefe Rinnen gegraben. Bei Nässe war es rutschig und gefährlich. «Wenn wir nichts gemacht hätten, wäre der Weg eines Tages unpassierbar geworden», so Heel. Es galt Stufen zu bauen, das Wasser abzuleiten und den Untergrund zu verfestigen. Die Wanderer wissen seine Arbeit zu schätzen. Bergwanderwege könne man nur im Nahbereich der Alpspitzbahn perfekt herrichten, mit Stufen, Geländer und Brücken, sagt Heel: «Viele fahren mit der Bahn in Turnschuhen und Sandalen auf den Berg, manche sogar in Schlappen, und wundern sich beim Abstieg, wenn es schwierig wird». Nach seiner Meinung gibt es im Gebirge zu viele Wege, deren Instandhaltung auf die Dauer ehrenamtliches Engagement überfordert: «Allein auf dem kurzen Stück zwischen Pfronten-Kappel und Reichenbach gibt es ein gutes Dutzend Wanderwege.

Da könnte man ruhig mal den einen oder andern auflassen». Auch im nächsten Jahr wartet noch viel Arbeit auf den Wegebauer, bis das Projekt fertig und der Weg vollständig saniert ist. Erst einmal hat der Winter eine Zwangspause verordnet.

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