'Markt der Meinungen'
Kemptener zeigen am Modell ihre Visionen für den Hildegardplatz

Es ist eine Schwarz-Weiß-Aufnahme, die der 80-Jährige eigens mitgebracht hat. Sie zeigt einen alten Brunnen, den Hildegardisbrunnen.'Ich hab damals sogar gesehen, wie er abgebaut wurde', erzählt der Kemptener. 1950 war das - was danach genau geschah mit dem Wasserspender und seinem neugotischen Aufbau, ist bis heute ein ungelöstes Rätsel der Kemptener Stadtgeschichte.

Fest steht nur, dass seither kein Brunnen mehr auf dem Hildegardplatz steht - "dabei gehört das doch zu einem echten Marktplatz", findet der 80-Jährige. Und um das auch Stadträten und Verwaltung ins Stammbuch zu schreiben, ist der gebürtige Kemptener an diesem Vormittag zum "Markt der Meinungen" gekommen. Wie berichtet, will die Stadt nach viel Kritik die eigentlich bereits festgezurrte Gestaltung des Platzes überdenken und sammelt daher die Ideen der Bürger.

'Da gehört Gastronomie hin', meint eine Anwohnerin aus der benachbarten Herrenstraße und setzt mit Nachdruck das kleine Brett mit den aufgeklebten Marktständen vor den Umriss der Basilika. Beim 'Markt der Meinungen' steht nämlich Stadtplanung zum Anfassen auf dem Programm. Miniaturautos, kleine Bäumchen, mehrere Brunnen- und Grünflächenmodelle sind im hölzernen Marktstand aufgebaut – auf zwei Plänen können sie munter verschoben, umgestellt und neu zusammengefügt werden.

Wer auf dem Hildegardplatz am liebsten Parkplätze hätte, fügt sie einfach per Folienstift-Zeichnung auf den Plänen ein, die zum einen den Istzustand und zum anderen die bisherige Planung zeigen. Und so werden manchem bei diesem maßstabsgetreuen Planspiel erstmals die wahren Dimensionen des Hildegardplatzes klar.

'Der Baum verschwindet ja total auf der Fläche', staunt eine Frau in den 50ern und stellt schnell noch mehr Spielzeugbäumchen dazu. 'Einen Wald braucht es ja auch nicht gerade', kommentiert ein anderer, in dessen Vision vom 'neuen' Hildegardplatz vor allem der mittelalterliche Schlangenbach eine Rolle spielt.

Was sich die Kemptener sonst noch so wünschen? Das zeigen die bunten Papierkärtchen, von denen nach und nach immer mehr an eine graue Stellwand gepinnt werden.

'Spielpunkte' steht darauf oder auch: 'Kein Betonbelag', 'Bänke, Liegen und Brunnen' und 'Parkplätze wie bisher'. Denn Denkverbote, so betonen im Gespräch mit den Bürgern Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer, Baureferentin Monika Beltinger und Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann, gibt es beim 'Markt der Meinungen' nicht. Bei den Veranstaltungen sollen Vorschläge gesammelt werden – bewerten werde man sie hinterher.

Alles neu also am Hildegardplatz? Das will nicht jeder.

'Ich versteh überhaupt nicht, warum man die Diskussion jetzt wieder anfängt und nicht einfach zu den Beschlüssen steht, die man gefasst hat', sagt ein älterer Kemptener. Und so hängt schließlich auch das Kärtchen 'bisherige Planung umsetzen' an der Stellwand.

Der 'Markt der Meinungen' findet noch an diesem Samstag (8 bis 14 Uhr) und Sonntag (9.30 bis 12 Uhr) sowie am Freitag, 21. Oktober, von 15 bis 18 Uhr auf dem Hildegardplatz statt. Vorschläge können bis zum 28. Oktober unter anderem auch per E-Mail eingesandt werden: .

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