Hitler-Kult und Antisemitismus
Kemptener Stadtrat beschließt Namensänderung der Knussertstraße

Die Knussertstraße in Kempten soll umbenannt werden.
  • Die Knussertstraße in Kempten soll umbenannt werden.
  • Foto: Stephanie Eßer
  • hochgeladen von Lisa Hauger

Der Stadtrat von Kempten hat sich für die Umbenennung der Knussertstraße entschieden. Grund für den Entschluss war ein Gutachten, welches die Nazi-Vergangenheit des Namensgebers Richard Knussert (1907-1966) aufzeigte. Welchen Namen die Straße in Zukunft tragen wird, steht noch nicht fest.

Nach Angaben der Stadt Kempten war Knussert als Gymnasialprofessor (u.a. am Carl von Linde Gymnasium Kempten) und Erforscher römischer Straßen im Allgäu und der näheren Umgebung tätig. Während des Nationalsozialismus war er Mitglied der NSDAP und als Funktionär in leitender Position tätig.

Geniekult um Hitler und Antisemitismus 

2018 gab das Kulturamt der Stadt ein Gutachten in Auftrag, um die Aktivitäten Knusserts während des Nationalsozialismus zu erforschen. In dem Gutachten heißt es unter anderem, dass Knussert "durch seine publizistischen Tätigkeiten" nationalsozialistische Propaganda auf regionaler Ebene verbreitete. Demnach schrieb Knussert das Vorwort für den "zutiefst antisemitischen Sonderband" des Schwabenlands 1938: Die Juden in Schwaben. In diesem Vorwort soll er Hitler als "Genie" und "Erlöserfigur" dargestellt haben. Der Sonderband habe physische Gewalt gegen Juden sowie deren Ermordung legitimiert.

Laut Gutachten entwarf Knussert in seinen Beiträgen wiederholt die Vision einer "Erneuerung" des "deutschen Volkes" und einer noch zu verwirklichenden nationalsozialistischen "Volksgemeinschaft". Er habe nicht nur antisemitische Propaganda verbreitet, sondern auch selbst welche verfasst. Knussert soll ein "auf rassistischen Kriterien basierendes Feindbild" entworfen haben, das Juden als eine Bedrohung für die deutsche Gesellschaft und den deutschen Staat darstellte.

Das Gutachten zu "Richard Knussert im Nationalsozialismus" können Sie hier einsehen.

Schreiben ehemaliger Schüler löst Diskussion aus

Ausgangspunkt der Diskussion um die öffentliche Ehrung Richard Knusserts durch einen Straßennamen war ein Schreiben an Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle im Juli 2018. Nach Angaben der Stadt schilderten zwei ehemalige Schüler Knusserts den Namensgeber als fähigen und engagierten Lehrer, allerdings auch als Verehrer des Nationalsozialismus.

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