Kölner Dom
Kemptener Experten sollen größte frei schwingende Glocke der Welt reparieren

Der dicke Pitter hat seine Stimme verloren. Dieser Zustand der - medizinisch gesprochen - sogenannten Aphonie, also Störung der Tonbildung oder Stimmlosigkeit, wird nun mit Hilfe von Experten aus dem Allgäu kuriert. Zwar ist völlig offen, wann der Patient wieder mit dem weithin hörbaren warmen Schlagton ,C ertönen wird. Doch mit Hilfe der Untersuchungsergebnisse aus dem «Europäischen Kompetenzzentrum für Glocken - ProBell» an der Hochschule Kempten soll die größte freischwingende Glocke der Welt im Kölner Dom ihre Stimme zurückerhalten. Der Klöppel der Glocke war Anfang Januar vermutlich wegen Materialermüdung abgefallen.

«Einerseits geht es darum, den Schadenshergang zu rekonstruieren und die Grundlagen für die Neuanfertigung eines Klöppels zu erarbeiten, andererseits soll mit einem musikalischen Fingerabdruck das Klangbild der Glocke wiederhergestellt werden», erläutert Professor Dierk Hartmann die Aufgabenstellung. Hartmann, Werkstoffwissenschaftler bei ProBell, sowie der wissenschaftliche Mitarbeiter Michael Plitzner vermuten, dass möglicherweise ein Riss entstanden ist, der im Laufe der Zeit gewachsen ist und schließlich zum Abbruch des Klöppels geführt hat. Für die Experten ist der Arbeitsauftrag zwar einer von vielen am Glockenzentrum, das sich eine europaweite Kompetenz für das richtige Läuten von Glocken aufgebaut hat.

«Aufgrund der Größe und Bedeutung der Kölner Petersglocke ist es aber doch wieder etwas ganz Besonderes», so der wissenschaftliche Leiter von ProBell, Andreas Rupp.

Der fast vier Meter lange und 800 Kilogramm schwere Klöppel der Petersglocke, die in Köln liebevoll nur «decker Pitter» genannt wird, war am Dreikönigstag (6. Januar) abgebrochen, einem der bedeutendsten Feiertage in Köln. Schließlich ruhen hier die Gebeine der Heiligen Drei Könige. Ob Materialermüdung oder ein Riss oder etwas anderes die Ursache dafür ist, dass der aus geschmiedetem Eisen bestehende Klöppel in der Anläutphase nach nur fünf Schlägen abrupt aus der 24 Tonnen schweren Glocke abbrach, sollen jetzt die Untersuchungen im Allgäu ergeben.

Dazu wird der Klöppel ebenso nach Kempten verfrachtet. Auch die Aufhängung in der Glocke wird ausgebaut und im Allgäu auf mögliche Schadensrisse hin untersucht. Zudem wird mit einem computergestützten Programm der musikalische Fingerabdruck erstellt. «Früher war der nur zu hören, jetzt kann man ihn messen», fasst Kölns Dombaumeisterin Professor Barbara Schock-Werner das Verfahren prägnant zusammen. Michael Plitzner, Ingenieur bei ProBell, schlägt dazu die Glocke mit einem Anschlagzylinder. Daten über Intensität und Frequenz werden dabei in einen Computer übertragen und lassen sich an zwei Linien analysieren. Plitzner: «Der neue Klöppel muss so geschmiedet werden, dass die Glocke damit gut klingt sowie schonend geläutet wird.»

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